Der Industrie= und Fabrikbetrieb.
430
die eigentlichen produktiven Thätigkeiten vorgenommen werden, kann natürlich
im allgemeinen nicht bestimmt werden, da jeder Industriezweig in dieser Hinsicht ¬
andere Ansprüche macht. Je sorgfältiger das Prinzip der Arbeitsteilung
in einem Betriebe durchgeführt werden soll, um so sorgfältiger muß auch die
Einteilung der Räumlichkeiten getroffen werden. Die am nächsten verwandten
Arbeitsverrichtungen müssen wo möglich auch in benachbarten Räumen untergebracht ¬
werden. Je problematischer der Erfolg eines Betriebs, um so weniger
kann eine kostspielige, wohldurchdachte Einteilung der Räume durchgeführt werden;
man muß sich dann behelfen so gut es geht. Größere, übersichtliche Lokalitäten
haben immer den Vorteil, daß dem aufsehenden und dirigierenden Personal
die Überwachung leichter ist, daß dasselbe sich jeden Augenblick dorthin verfügen
kann, wo gerade die wichtigsten Arbeitsverrichtungen stattfinden, daß die Anwendung ¬
und Umänderung von Maschinen, der Hin- und Hertransport von
Rohstoffen, Hilfsmaterial, Geräte und Produkten leichter ist, daß der Austausch
von Arbeitern, die sich für diese oder jene Thätigkeit besonders eignen, rascher
stattfinden kann, bei etwaigen Unfällen leichtere Hilfe verschafft wird u. s. f.
Die Räumlichkeiten zur Verpackung der fertigen Produkte werden oft
zweckmäßigerweise mit einer Tischler- oder Böttcherwerkstatt (zur Anfertigung
der Gefässe) verbunden.
V. Geräte und Maschinen. 1. Die Auswahl derselben hängt vom beabsichtigten ¬
Umfange des Betriebs ab, ferner davon, welcher Motor in Anwendung
kommen soll, ob man mehr in provisorischen Zuständen oder in fest geordnetem,
auf längere Zeit gleich bleibenden Betriebe arbeiten will. Diese Fragen lassen
sich
jedoch nur in jedem einzelnen Falle unter Berücksichtigung aller speziellen
Umstände beantworten. Die wichtigste Frage in dieser Hinsicht bleibt die, ob
Wasser= oder Dampfkraft in Anwendung kommen soll. Der größeren Wohlfeilheit ¬
der Wasserkraft stehen manche Nachteile ihrer Anwendung entgegen.
2. Die Veranschlagung der Arbeitsmittel führt am ehesten zu richtigen
Anschauungen, wenn man alle einzelnen erforderlichen Stücke an Gerät, Werkzeug, ¬
Maschinen, Gefässen ec. getrennt behandelt. Die voraussichtlichen Herstellungskosten ¬
sind sodann unter Zugrundelegung von Angaben der Maschinenfabrikanten ¬
ec. leicht annähernd richtig zu erfahren.
3. Die Anschaffung der Arbeitsmittel kann entweder durch eigene Produktion ¬
oder durch Ankauf und Miete beschafft werden. Bald ist das eine,
bald das andere zweckmäßig oder geradezu notwendig.
Die eigene Produktion hat die Vorteile, daß die genannten Gegenstände
dem Bedarf des einzelnen Unternehmers am besten angepaßt werden können,
ja daß sogar jeder Arbeiter nach seinem persönlichen Bedarfe sich Werkzeug und
Geräte zurichten kann; daß ferner bei der Abnutzung fofort wieder neue Arbeitsmittel ¬
hergestellt werden können, daß oft gewisse Arbeitspausen in vorteilhafter ¬
Weise durch diese Produktion ausgefüllt werden können. Für den Arbeiter ¬
selbst erwächst daraus unbestreitbar eine gewisse Vielseitigkeit.
Dagegen hat die eigene Produktion der Arbeitsmittel die Nachteile aller
Arbeitskumulation: Zeit- und Materialverluste; minder vollkommene Ausbildung
der Teilung, des Arrangements und der Geschicklichkeit; Schwierigkeit maschinenmäßiger ¬
Herstellung.
Geboten ist die eigene Produktion dieser Arbeitsmittel überall, wo dieselben
dem individuellen Bedürfnis so angepaßt sein müssen, daß nur der Unternehmer
selbst sie ganz genau passend herstellen kann. Z. B. die Formen, Schablonen ec.
für Gießereien, für Fabriken von Thon=, Porzellan= und Zementwaren, für
Bijouteriewaren=Fabriken ec. Als zweckmäßig erweist sich die eigene Herstellung
auch bei jenen Geräten, Werkzeugen und Maschinen, welche massenhaft gebraucht
So
werden, sich rasch abnützen und immer von neuem beschafft werden müssen.