Contents : Handbuch der gesamten Handelswissenschaften für ältere und jüngere Kaufleute, sowie für Fabrikanten, Gewerbetreibende, Verkehrsbeamte, Anwälte und Richter (1)

Der  Industrie=  und  Fabrikbetrieb.
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die  eigentlichen  produktiven  Thätigkeiten  vorgenommen  werden,  kann  natürlich
im  allgemeinen  nicht  bestimmt  werden,  da  jeder  Industriezweig  in  dieser  Hinsicht ¬
  andere  Ansprüche  macht.  Je  sorgfältiger  das  Prinzip  der  Arbeitsteilung
in  einem  Betriebe  durchgeführt  werden  soll,  um  so  sorgfältiger  muß  auch  die
Einteilung  der  Räumlichkeiten  getroffen  werden.  Die  am  nächsten  verwandten
Arbeitsverrichtungen  müssen  wo  möglich  auch  in  benachbarten  Räumen  untergebracht ¬
  werden.  Je  problematischer  der  Erfolg  eines  Betriebs,  um  so  weniger
kann  eine  kostspielige,  wohldurchdachte  Einteilung  der  Räume  durchgeführt  werden;
man  muß  sich  dann  behelfen  so  gut  es  geht.  Größere,  übersichtliche  Lokalitäten
haben  immer  den  Vorteil,  daß  dem  aufsehenden  und  dirigierenden  Personal
die  Überwachung  leichter  ist,  daß  dasselbe  sich  jeden  Augenblick  dorthin  verfügen
kann,  wo  gerade  die  wichtigsten  Arbeitsverrichtungen  stattfinden,  daß  die  Anwendung ¬
  und  Umänderung  von  Maschinen,  der  Hin-  und  Hertransport  von
Rohstoffen,  Hilfsmaterial,  Geräte  und  Produkten  leichter  ist,  daß  der  Austausch
von  Arbeitern,  die  sich  für  diese  oder  jene  Thätigkeit  besonders  eignen,  rascher
stattfinden  kann,  bei  etwaigen  Unfällen  leichtere  Hilfe  verschafft  wird  u.  s.  f.
Die  Räumlichkeiten  zur  Verpackung  der  fertigen  Produkte  werden  oft
zweckmäßigerweise  mit  einer  Tischler-  oder  Böttcherwerkstatt  (zur  Anfertigung
der  Gefässe)  verbunden.
V.  Geräte  und  Maschinen.  1.  Die  Auswahl  derselben  hängt  vom  beabsichtigten ¬
  Umfange  des  Betriebs  ab,  ferner  davon,  welcher  Motor  in  Anwendung
kommen  soll,  ob  man  mehr  in  provisorischen  Zuständen  oder  in  fest  geordnetem,
auf  längere  Zeit  gleich  bleibenden  Betriebe  arbeiten  will.  Diese  Fragen  lassen
sich
jedoch  nur  in  jedem  einzelnen  Falle  unter  Berücksichtigung  aller  speziellen
Umstände  beantworten.  Die  wichtigste  Frage  in  dieser  Hinsicht  bleibt  die,  ob
Wasser=  oder  Dampfkraft  in  Anwendung  kommen  soll.  Der  größeren  Wohlfeilheit ¬
  der  Wasserkraft  stehen  manche  Nachteile  ihrer  Anwendung  entgegen.
2.  Die  Veranschlagung  der  Arbeitsmittel  führt  am  ehesten  zu  richtigen
Anschauungen,  wenn  man  alle  einzelnen  erforderlichen  Stücke  an  Gerät,  Werkzeug, ¬
  Maschinen,  Gefässen  ec.  getrennt  behandelt.  Die  voraussichtlichen  Herstellungskosten ¬
  sind  sodann  unter  Zugrundelegung  von  Angaben  der  Maschinenfabrikanten ¬
  ec.  leicht  annähernd  richtig  zu  erfahren.
3.  Die  Anschaffung  der  Arbeitsmittel  kann  entweder  durch  eigene  Produktion ¬
  oder  durch  Ankauf  und  Miete  beschafft  werden.  Bald  ist  das  eine,
bald  das  andere  zweckmäßig  oder  geradezu  notwendig.
Die  eigene  Produktion  hat  die  Vorteile,  daß  die  genannten  Gegenstände
dem  Bedarf  des  einzelnen  Unternehmers  am  besten  angepaßt  werden  können,
ja  daß  sogar  jeder  Arbeiter  nach  seinem  persönlichen  Bedarfe  sich  Werkzeug  und
Geräte  zurichten  kann;  daß  ferner  bei  der  Abnutzung  fofort  wieder  neue  Arbeitsmittel ¬
  hergestellt  werden  können,  daß  oft  gewisse  Arbeitspausen  in  vorteilhafter ¬
  Weise  durch  diese  Produktion  ausgefüllt  werden  können.  Für  den  Arbeiter ¬
  selbst  erwächst  daraus  unbestreitbar  eine  gewisse  Vielseitigkeit.
Dagegen  hat  die  eigene  Produktion  der  Arbeitsmittel  die  Nachteile  aller
Arbeitskumulation:  Zeit-  und  Materialverluste;  minder  vollkommene  Ausbildung
der  Teilung,  des  Arrangements  und  der  Geschicklichkeit;  Schwierigkeit  maschinenmäßiger ¬
  Herstellung.
Geboten  ist  die  eigene  Produktion  dieser  Arbeitsmittel  überall,  wo  dieselben
dem  individuellen  Bedürfnis  so  angepaßt  sein  müssen,  daß  nur  der  Unternehmer
selbst  sie  ganz  genau  passend  herstellen  kann.  Z.  B.  die  Formen,  Schablonen  ec.
für  Gießereien,  für  Fabriken  von  Thon=,  Porzellan=  und  Zementwaren,  für
Bijouteriewaren=Fabriken  ec.  Als  zweckmäßig  erweist  sich  die  eigene  Herstellung
auch  bei  jenen  Geräten,  Werkzeugen  und  Maschinen,  welche  massenhaft  gebraucht
So
werden,  sich  rasch  abnützen  und  immer  von  neuem  beschafft  werden  müssen.
            
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