Contents : Schütze, Yvonne: Innerfamiliale Kommunikation und kindliche Psyche

54  -1.7 -
  Die  Double-Bind-Theorie
Bateson  u.a.  gehen  in  ihrem  Konzept  davon  aus,  daß  eine  in
ihrer  Struktur  höchst  ambivalente  bis  hostile  Mutter-Kind-Beziehung -
  bestimmte  verzerrte  Kommunikationsmuster,  eben  Double-Binds -
  generiert.  Kommunikationsmuster  mit  der  formalen  Struktur
eines  Double-Binds  gelten  somit  als  Indikatoren  einer  pathogenen
Mutter-Kind-Beziehung  beziehungsweise  einer  pathogenen  Familienstruktur, -
  wenn  der  Vater  miteinbezogen  wird“.  Die  formale  Charakterisierung -
  eines  Double-Binds  leitet  Bateson  aus  Russels
"Theorie  der  logischen  Typen"  ab,  deren  Hauptthese  besagt,  daß
zwischen  einer  Klasse  und  ihren  Elementen  Diskontinuität  besteht, -
  daß  weder  die  Klasse  ein  Element  ihrer  selbst  sein  kann,
noch  kann  eines  ihrer  Elemente  die  Klasse  selbst  bilden,  da
der  für  die  Klasse  geltende  Begriff  einem  anderen  logischen
Abstraktionsniveau  entstammt  als  die  Begriffe,  mit  der  die  Elemente -
  einer  Klasse  bezeichnet  werden.  Diese  für  die  formale  Logik -
  geltende  Diskontinuität  zwischen  einer  Klasse  und  ihren
Gliedern  gilt  nun  nach  Bateson  nicht  für  normale  umgangssprachliche -
  Kommunikation,  denn  "diese  Diskontinuität  (wird)  in  der
Psychologie  realer  Kommunikation  ständig  und  zwangsläufig  aufgehoben"", -
  gleichwohl  aber,  das  heißt,  obwohl  also  die  Aufhebung -
  dieser  Diskontinuität  als  Merkmal  normaler  umgangssprachlicher -
  Kommunikation  gilt,  folgert  Bateson  andererseits:  "Daß
wir  a  priori  mit  dem  Auftreten  einer  krankhaften  Veränderung
im  menschlichen  Organismus  rechnen  müssen,  wenn  bestimmte  formale -
  Strukturen  dieser  Aufhebung  in  der  Kommunikation  zwischen
(Unterstreichung  von  mir).
Mutter  und  Kind  auftreten"
1
Bateson,  u.a.:  "Auf  dem  Weg  zu  einer  Schizophrenie-Theorie"
In:  Schizophrenie  und  Familie.  Frankfurt  a.M.  1969.
2
Vgl.  Weakland:  "Double-Bind-Hypothese  und  Dreier-Beziehung".
In:  Schizophrenie  und  Familie.  Frankfurt  a.M.  1969.
3  Bateson,  a.a.O.,  S.  12.
4  Ebenda.
            
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