Metadaten : Biener, Friedrich August: Wechselrechtliche Abhandlungen

Abh.  I.  Geschichte.
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Wechsler,  welcher  an  dem  gefragten  Orte  keinen  Correspondenten
hatte,  konnte  bei  einem  andern,  welcher  dort  in  Verbindungen
stand,  einen  Wechsel  dahin  einzahlen  und  auf  seinen  Kunden
stellen  lassen,  was  wir  jetzt  einen  Commissionswechsel  nennen.
Außerdem  aber  half  man  sich  mit  den  Messen.  Man  gab  einen
Wechsel  auf  die  Messe  und  von  da  aus  konnte  man  nach  allen
Plätzen  hin*)  Briefe  erhalten.  So  findet  sich  bei  Pegolotti
(Martens  Anhang  S.  4.)  eine  Stelle,  zufolge  deren  man  von
Florenz  aus  mit  den  Florentiner  Kaufleuten  in  der  Provence,
Frankreich,  Flandern,  England  immer  auf  die  Champagner=Messe
wechselte,  welche  nach  dem  gewöhnlichen  Uso  dem  Verfalltag  die
nächste  war.  Wenn  ein  Wechsel  à  drittura  von  einem  Platze
nach  dem  andern,  also  nicht  über  die  Messe  als  Mittelplatz
verlangt  wurde,  so  berechnet  man  ihn  nach  dem  Curs  von  dem
Platze  nach  der  Messe  und  von  der  Messe  nach  dem  bestimmten
Orts).  Der  Wechsel  kam  aber  theurer  zu  stehen6).
C.  Sie  bezogen  die  Hauptmessen,  wo  das  Wechselgeschäft
sich  concentrirte,  um  theils  ihren  nach  den  Messen  hin  eingeleiteten
Wechselverkehr  abzuwickeln,  theils  den  auf  der  Messe  sich  vorfindenden ¬
  Geldverkehr  zu  übernehmen?).  Für  diese  Zwecke  dienten
früher  die  Champagner=Messen,  nachher  die  Messen  von  Lyon
(payements),  dann  die  Wechselmessen  in  Besanzon  und  Piacenza,
wovon  näheres  im  §.  6.  vorkommen  wird.
D.  Sie  machten  sehr  große  Darlehne  an  Regierungens),
wobei  sie  freilich  öfters  Schaden  litten  oder  bankerott  wurden.
Jenes  Geschäft  war  damals  schwieriger,  als  heut  zu  Tage,  wo  die
Unternehmer  durch  den  Absatz  der  Obligationen  in  kleineren
Posten  an  andere  Bankiers,  theilweise  an  Privatpersonen,  schon
einen  Theil  der  Terminalzahlungen  sich  decken  lassen  und  am
4)  Scaccia  §.  1.  Q.  5.  n.  48.
5)  Raphael  de  Turri  Disp.  I.  Qu.  4.  n.  30.  Qu.  24.  n.  30.
Qu.  26.  n.  1.
6)  Scaccia  §.  1.  Qu.  5.  n.  48.
Scaccia  §.  1.  Qu.  6.  n.  10.
8)  Martens  Ursprung  S.  24.  25.  Arenz  S.  26.  30.  Besonders
werden  in  dieser  Beziehung  die  Florentiner  Häuser  Peruzzi  und  Bardi  genannt. ¬
  Pegolotti,  von  welchem  die  wichtigen  Mittheilungen  über  Florenz
1339  herrühren,  war  Factor  bei  den  Bardi.  Martens  Ursprung  S.  48.
Die  Bardi  und  Peruzzi  kommen  in  den  Olim  öfters  vor,  namentlich  1307,
1313,  1318  in  Paris  und  auf  den  Messen.
            
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