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einstimmend sind. Er war der treueste und tapferste aller Anhänger des Sofuk
und der Ruf seiner Thaten hatte sich über die Stämme Arabiens verbreitet. Als
ich so mit ihm dahin ritt, wollte ich gern einige Nachrichten über sein Volk
haben, aber er pflegte nur von einem einzigen Gegenstande zu sprechen. „Ja
Bedsch,"*) sagte er, „der Araber denkt nur an zwei Dinge, Krieg und Liebe:
Krieg, Ja Bedsch, versteht Jedermann; wir wollen daher von Liebe sprechen;
und nun verweilte er in glühender Redeweise bei der Schönheit der arabischen
Mädchen und der reichen Belohnung, die sie dem ertheilen, der sich bei Raubzügen ¬
oder im Gefecht ausgezeichnet hat. Sodann erzählte er mir, wie ein
Liebhaber erst liebe, und wie er dann seine Liebe kund thue. Die Liebe eines
Arabers wird sehr schnell irgend einem Mädchen zu Theil, das ihm gefiel, als
sie bei ihm vorbeiging, um Wasser aus der Quelle zu holen oder die er beim
Umzuge nach frischen Weideplätzen sah. Nichts kann der Plötzlichkeit seiner
ersten Liebe gleichkommen als die Gluth derselben. Er ist bereit, für sie zu
sterben, wagt verzweifelte Heldenthaten oder überläßt sich dem Trübsinne. Das
Mädchen oder die Dame seiner Liebe ist mit den Gefühlen, die sie ihm, ohne
es zu wissen, eingeflößt hat, unbekannt. Der Liebhaber sucht sie daher mit seiner ¬
Leidenschaft bekannt zu machen. Er spricht darüber mit einem weitläufigen
Verwandten oder mit einem Mitgliede des Stammes, welcher Zutritt in den
Harem des Zeltes hat, das sie bewohnt; und nachdem er sich durch Abnahme
eines Eides seiner Verschwiegenheit versichert hat, gesteht er seine Liebe und fleht
seinen Vertrauten an, ihm eine Zusammenkunft zu verschaffen. Wenn die Person, ¬
an welche sich der Liebhaber gewendet, eingewilligt hat, mit dem Frauenzimmer ¬
zu sprechen, so geht sie zu der Geliebten, wenn diese allein ist, und eine
Blume oder einen Grashalm aufhebend, sagt sie zu ihr: „Schwöre bei Ihm,
der diese Blume und auch uns erschaffen hat, daß Du Niemandem, wer es auch
sei, das, was ich Dir jetzt enthülle, entdecken willst." Ist sie nicht geneigt, die
Bewerbung irgend eines Liebhabers anzuhören oder im Falle sie zu tugendhaft
wäre, so schlägt sie es ab und geht ihrer Wege, und wird nie das Vorgefallene
ausplaudern; sonst aber antwortet sie: „Ich schwöre bei Ihm, der das Blatt,
welches Du in der Hand hältst und uns erschaffen hat.“ Und dann bestimmt
der Mann Zeit und Ort der Zusammenkunft. Unter solchen Umständen abgelegte ¬
Eide werden selten oder nie gebrochen.
Die Frauen der Schammar sind ihrer Keuschheit wegen eben nicht sehr
berühmt. Einige Zeit nach unserem Besuche bei Sofuk war Mohammed
Emin, der Scheikh der Dschebur, als Gast in seinem Zelte. Zwischen
Emin und Ferhan hatte sich ein Streit entsponnen und jener hatte den Sohn
des Sofuk einen „Lügner“ genannt. „Was für eine Art von unreinem Kerl
bist Du," rief Sofuk aus, „einen Scheikh der Schammar so anzureden?
Weißt Du nicht, daß es in dem Paschalik Mosul kein Dorf giebt, in dem der
Name Araber nicht durch ein Weib vom Stamme der Dschebur entehrt ist?“
„Das mag sein," erwiderte der aufgebrachte Scheikh, „aber kannst Du mir einen
Mann zeigen, o Sofuk, aus dem Stamme der Nedschm, welcher sagen kann,
daß sein Vater nicht aus dem Stamme der Dschebur ist?" Dieser Vorwurf
welcher den Ruf des größten Zweiges der Schammar auf den er anspielte,
in gewissem Grade wirklich zukam, erbitterte den Sofuk so sehr, daß er von
„O mein Herr," diese Worte gaben zu Allem, was er sagte, die Vorrede ab.
Die Schammar Araber sprechen das Wort Beg, was die Konstantinopolitaner in das
weichere Bey oder Bedsch umändern.