Volltext : Layard, Austen Henry: Niniveh und seine Überreste

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einstimmend  sind.  Er  war  der  treueste  und  tapferste  aller  Anhänger  des  Sofuk
und  der  Ruf  seiner  Thaten  hatte  sich  über  die  Stämme  Arabiens  verbreitet.  Als
ich  so  mit  ihm  dahin  ritt,  wollte  ich  gern  einige  Nachrichten  über  sein  Volk
haben,  aber  er  pflegte  nur  von  einem  einzigen  Gegenstande  zu  sprechen.  „Ja
Bedsch,"*)  sagte  er,  „der  Araber  denkt  nur  an  zwei  Dinge,  Krieg  und  Liebe:
Krieg,  Ja  Bedsch,  versteht  Jedermann;  wir  wollen  daher  von  Liebe  sprechen;
und  nun  verweilte  er  in  glühender  Redeweise  bei  der  Schönheit  der  arabischen
Mädchen  und  der  reichen  Belohnung,  die  sie  dem  ertheilen,  der  sich  bei  Raubzügen ¬
  oder  im  Gefecht  ausgezeichnet  hat.  Sodann  erzählte  er  mir,  wie  ein
Liebhaber  erst  liebe,  und  wie  er  dann  seine  Liebe  kund  thue.  Die  Liebe  eines
Arabers  wird  sehr  schnell  irgend  einem  Mädchen  zu  Theil,  das  ihm  gefiel,  als
sie  bei  ihm  vorbeiging,  um  Wasser  aus  der  Quelle  zu  holen  oder  die  er  beim
Umzuge  nach  frischen  Weideplätzen  sah.  Nichts  kann  der  Plötzlichkeit  seiner
ersten  Liebe  gleichkommen  als  die  Gluth  derselben.  Er  ist  bereit,  für  sie  zu
sterben,  wagt  verzweifelte  Heldenthaten  oder  überläßt  sich  dem  Trübsinne.  Das
Mädchen  oder  die  Dame  seiner  Liebe  ist  mit  den  Gefühlen,  die  sie  ihm,  ohne
es  zu  wissen,  eingeflößt  hat,  unbekannt.  Der  Liebhaber  sucht  sie  daher  mit  seiner ¬
  Leidenschaft  bekannt  zu  machen.  Er  spricht  darüber  mit  einem  weitläufigen
Verwandten  oder  mit  einem  Mitgliede  des  Stammes,  welcher  Zutritt  in  den
Harem  des  Zeltes  hat,  das  sie  bewohnt;  und  nachdem  er  sich  durch  Abnahme
eines  Eides  seiner  Verschwiegenheit  versichert  hat,  gesteht  er  seine  Liebe  und  fleht
seinen  Vertrauten  an,  ihm  eine  Zusammenkunft  zu  verschaffen.  Wenn  die  Person, ¬
  an  welche  sich  der  Liebhaber  gewendet,  eingewilligt  hat,  mit  dem  Frauenzimmer ¬
  zu  sprechen,  so  geht  sie  zu  der  Geliebten,  wenn  diese  allein  ist,  und  eine
Blume  oder  einen  Grashalm  aufhebend,  sagt  sie  zu  ihr:  „Schwöre  bei  Ihm,
der  diese  Blume  und  auch  uns  erschaffen  hat,  daß  Du  Niemandem,  wer  es  auch
sei,  das,  was  ich  Dir  jetzt  enthülle,  entdecken  willst."  Ist  sie  nicht  geneigt,  die
Bewerbung  irgend  eines  Liebhabers  anzuhören  oder  im  Falle  sie  zu  tugendhaft
wäre,  so  schlägt  sie  es  ab  und  geht  ihrer  Wege,  und  wird  nie  das  Vorgefallene
ausplaudern;  sonst  aber  antwortet  sie:  „Ich  schwöre  bei  Ihm,  der  das  Blatt,
welches  Du  in  der  Hand  hältst  und  uns  erschaffen  hat.“  Und  dann  bestimmt
der  Mann  Zeit  und  Ort  der  Zusammenkunft.  Unter  solchen  Umständen  abgelegte ¬
  Eide  werden  selten  oder  nie  gebrochen.
Die  Frauen  der  Schammar  sind  ihrer  Keuschheit  wegen  eben  nicht  sehr
berühmt.  Einige  Zeit  nach  unserem  Besuche  bei  Sofuk  war  Mohammed
Emin,  der  Scheikh  der  Dschebur,  als  Gast  in  seinem  Zelte.  Zwischen
Emin  und  Ferhan  hatte  sich  ein  Streit  entsponnen  und  jener  hatte  den  Sohn
des  Sofuk  einen  „Lügner“  genannt.  „Was  für  eine  Art  von  unreinem  Kerl
bist  Du,"  rief  Sofuk  aus,  „einen  Scheikh  der  Schammar  so  anzureden?
Weißt  Du  nicht,  daß  es  in  dem  Paschalik  Mosul  kein  Dorf  giebt,  in  dem  der
Name  Araber  nicht  durch  ein  Weib  vom  Stamme  der  Dschebur  entehrt  ist?“
„Das  mag  sein,"  erwiderte  der  aufgebrachte  Scheikh,  „aber  kannst  Du  mir  einen
Mann  zeigen,  o  Sofuk,  aus  dem  Stamme  der  Nedschm,  welcher  sagen  kann,
daß  sein  Vater  nicht  aus  dem  Stamme  der  Dschebur  ist?"  Dieser  Vorwurf
welcher  den  Ruf  des  größten  Zweiges  der  Schammar  auf  den  er  anspielte,
in  gewissem  Grade  wirklich  zukam,  erbitterte  den  Sofuk  so  sehr,  daß  er  von
„O  mein  Herr,"  diese  Worte  gaben  zu  Allem,  was  er  sagte,  die  Vorrede  ab.
Die  Schammar  Araber  sprechen  das  Wort  Beg,  was  die  Konstantinopolitaner  in  das
weichere  Bey  oder  Bedsch  umändern.
            
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