Volltext : Bohnenberger, Johann G. F.: Astronomie

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der  Himmelskugel  geht,  weil  seine  Pole  in  den  Horizont
fallen,  durch  den  Scheitelpunkt,  und  die  Sonne  erhebt  sich
zur  Zeit  der  Tag-  und  Nachtgleichen  bis  zu  dem  Scheitel;
so  daß  zu  dieser  Zeit  ein  senkrecht  stehender  Stab  keinen
Schatten  wirft.  Zur  Zeit  des  Sommer=  und  Wintersolstitiums ¬
  steht  also  die  Sonne  im  Mittag  am  weitesten  von
dem  Scheitel,  im  ersten  Fall  gegen  Norden,  im  zweyten
gegen  Süden  ab,  ihre  Mittagshöhe  ist  am  kleinsten  und
dem  Complement  der  Schiefe  der  Ekliptik  gleich,  und  die
Schatten  fallen  im  Sommersolstitium  auf  die  Südseite,  im
Wintersolstitium  auf  die  Nordseite  der  Körper,  welche  ihn
werfen.  Versteht  man,  wie  in  unsern  Gegenden,  unter
dem  Sommer  die  Zeit  der  grösten,  und  unter  dem  Winter
die  Zeit  der  kleinsten  Mittagshöhe  der  Sonne;  so  giebt  es
an  einem  unter  dem  Aequator  liegenden  Ort  in  jedem  Jahr
zwey  Sommer  und  zwey  Winter.  Aehnliche  Erscheinungen ¬
  müssen  sich  an  jedem  Ort  der  Erde  zeigen,  dessen  Polhöhe ¬
  kleiner  als  die  Schiefe  der  Ekliptik  ist,  weil  alsdenn
der  Durchschnittspunkt  des  Aequators  mit  dem  Meridian
einen  kleineren  Abstand  vom  Scheitel  hat,  als  die  gröste
Abweichung  der  Sonne  oder  die  Schiefe  der  Ekliptik  beträgt.
Wird  die  nördliche  Breite  oder  Polhöhe  der  Schiefe
der  Ekliptik,  folglich  die  Aequatorshöhe  (§.  29.)  ihrem
Complement  gleich;  so  steht  der  im  Meridian  befindliche
Punkt  des  Aequators  um  die  Schiefe  der  Ekliptik  vom  Zenith ¬
  gegen  Süden  ab.  Folglich  geht  die  Sonne  im  Sommersolstitium ¬
  durch  den  Scheitel,  und  steht  im  Wintersolstitium ¬
  um  die  doppelte  Schiefe  der  Ekliptik  von  dem  Scheitel ¬
  gegen  Süden  ab.  Eben  so  verhält  es  sich  bey  einer  der
Schiefe  der  Ekliptik  gleichen  südlichen  Breite,  wenn  man
Sommer  und  Wintersolstitium  miteinander  verwechselt.
Zwey  Parallelkreise  des  Erdåquators,  welche  beyderseits
um  die  Schiefe  der  Ekliptik  von  ihm  abstehen,  und,  wie
die  ihnen  ähnlich  liegenden  an  der  Himmelskugel  (§.  38.)
Wendekreise  heißen,  schließen  also  eine  Zone  der  Erdoberfläche ¬
  ein,  auf  welcher  alle  diejenige  Orte  liegen,  deren
Scheitel  die  Sonne  erreichen  kann,  und  die  man  daher  den
heißen  Erdstrich  (Zona  torrida)  nennt.
            
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