Volltext : Bohnenberger, Johann G. F.: Astronomie

zu  der  nächstfolgenden  Herbstnachtgleiche  wird  man  um  mehr
als  sieben  Tage  größer  finden,  als  die  Zeit  von  der  letztern
bis  wiederum  zur  erstern.  Die  Sonne  durchlauft  also  die
Ekliptik  mit  einer  ungleichförmigen  Winkelgeschwindigkeit,
und  wenn  sie  um  die  Erde  einen  Kreis  mit  gleichförmiger
Geschwindigkeit  beschreibt;  so  kann  die  Erde  nicht  in  dem
Mittelpunkt  dieses  Kreises  seyn,  und  der  durch  den  Mittelpunkt ¬
  der  Erde  gezogene  Durchmesser  desselben  wird  die
Bahn  der  Sonne  in  zwey  Halbzirkel  theilen,  welche  in  gleichen ¬
  Zeiten  durchloffen  werden.  Man  findet  wirklich  die
Zwischenzeiten  zwischen  den  Solstitien  nur  um  ungefähr
Tag  voneinander  verschieden,  so  daß  jener  Durchmesser  nahe
durch  die  Solstitialpunkte  durchgehen  muß.  Durch  Vergleichung ¬
  einer  Reihe  von  Beobachtungen  der  Sonne  während  eines ¬
  Jahrs  findet  man,  daß  sie  den  Bogen  von  dem  Punkt  der
Länge  33.  901  bis  zu  dem  98  90  in  derselben  Zeit  durchlauft,
in  welcher  sie  von  dem  letzteren  Punkt  bis  wiederum  zu  dem
ersten  zurükkommt.  An  dem  letzteren  dieser  Punkte  durchlauft ¬
  sie  in  einem  Tag  1°1  10,3,  ihr  scheinbarer  Durchmesser ¬
  ist  am  grösten,  und  beträgt  32  35,66;  folglich  ist
sie  in  diesem  Punkt  der  Erde  am  nächsten.  Er  heißt  die
Erdnähe  (Perigæum).  Von  der  Erdnähe  an  nimmt  die
Winkelgeschwindigkeit  der  Sonne  und  ihr  scheinbarer  Durchmesser ¬
  ab,  bis  sie  zu  dem  gegenüberliegenden  Punkt  ihrer
Bahn  kommt,  wo  sie  in  einem  Tag  57  11,4  durchlauft,
ihr  scheinbarer  Durchmesser  —  31  30,93,  und  mit  der
Winkelgeschwindigkeit  am  kleinsten  wird.  Dieser  Punkt
entspricht  also  der  grösten  Entfernung  der  Sonne  von  der
Erde,  und  heißt  die  Erdferne  (Apogæum).  Erdnähe
und  Erdferne  haben  den  gemeinschaftlichen  Namen  Apsiden
(Apsides,  Auges),  und  der  sie  verbindende  Durchmesser
der  Sonnenbahn  heißt  die  Apsidenlinie  (Linea  apsidum).
Von  der  Erdferne  an  nehmen  die  Winkelgeschwindigkeit  und
der  Durchmesser  der  Sonne  wieder  eben  so  ab,  wie  sie  vorher ¬
  zugenommen  hatten,  so  daß  die  Sonne  auf  beyden  Seiten ¬
  der  Apsidenlinie  in  gleichen  Abständen  von  derselben
gleiche  Winkelgeschwindigkeiten  und  gleiche  scheinbare  Durchmesser ¬
  hat.  Demnach  theilt  die  Absidenlinie  die  Bahn  der
            
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