Volltext : Bohnenberger, Johann G. F.: Astronomie

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Es  ist  aber  leicht  einzusehen,  daß,  wenn  die  Dichtigkeit ¬
  der  Erde  von  ihrem  Mittelpunkt  an  gegen  ihre  Obersläche ¬
  beständig  abnimmt,  die  Schwere  von  dem  Aequator
an  gegen  die  Pole  stärker  zunehmen  müsse,  als  in  dem  Fall
einer  gleichförmigen  Dichtigkeit.  Wenn  nemlich  einem  gleichförmig ¬
  dichten  abgeplatteten  Sphäroid  neue  Materie  an  seinem ¬
  Mittelpunkt  hinzugefügt,  oder  seine  Dichtigkeit  in  der
Nähe  des  Mittelpunkts  vergrößert  wird;  so  wird  die  Attraction ¬
  dieser  neuen  Materie  die  Schwere  an  dem  Pol  um
mehr  vergrößern,  als  unter  dem  Aequator,  weil  ein  an  dem
Umfang  des  Aequators  liegendes  Theilchen  in  demselben  Verhältniß ¬
  schwächer  angezogen  wird,  als  ein  an  den  Polen  befindliches, ¬
  in  welchem  das  Quadrat  der  halben  Axe  kleiner
ist,  als  das  Quadrat  des  Halbmessers  des  Aequators.  Die
Abplattung  des  Sphäroids  hingegen  wird  durch  die  neue
hinzugekommene  Materie  vermindert  werden.  Man  denke
sich  zwey  von  dem  Mittelpunkt  des  Sphäroids  ausgehende
Säulen  eines  Fluidums,  deren  eine  in  der  Richtung  der
Axe,  die  andere  in  der  Ebene  des  Aequators  liege,  und
welche  mit  einander  in  dem  gleichförmig  dichten  Sphåroid
das  Gleichgewicht  hielten.  Von  der  letzteren  sey  von  dem
Mittelpunkt  an  ein  Stück  abgeschnitten,  welches  der  an  den
Pol  gehenden  Säule  gleich  sey;  so  würde,  wenn  die  Attraction ¬
  der  hinzugekommenen  Materie  sich  nur  auf  die  an  den
Pol  gehende  Säule  und  auf  das  abgeschnittene  Stück  der  an
den  Aequator  gehenden  sich  erstrekte,  das  Gleichgewicht  der
Säulen  nicht  gestört  werden.  Nun  wirkt  aber  die  neue
Materie  auch  auf  den  Rest  der  letzteren;  folglich  muß  sich
diese  verkürzen,  um  mit  der  an  den  Pol  gehenden  Säule
das  Gleichgewicht  halten  zu  können.  Zugleich  wird  wegen
dieser  Verminderung  des  Halbmessers  des  Aequators  die
Schwungkraft  kleiner,  und  das  Sphäroid  wird  sich  mehr
einer  Kugel  nähern,  als  wenn  es  gleichförmig  dicht  gewesen
wäre.  Umgekehrt  verhält  es  sich,  wenn  die  Dichtigkeit  von
dem  Mittelpunkt  an  gegen  die  Oberfläche  hin  wächst.
Je  dichter  nun  das  Sphäroid  an  seinem  Mittelpunkt  ist,
desto  weniger  weichen  die  Richtungen  der  Gravitation  gegen
das  ruhende  Sphäroid  von  den  Richtungen  seiner  Halbmes¬
            
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