Volltext : Bohnenberger, Johann G. F.: Astronomie

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so  ist  noch  immer  ein  Ueberschuß  der  Gravitation  unter  dem  Aequator ¬
  über  die  Schwungkraft  da,  und  die  unter  dem  Aequator
liegenden  Theilchen  können  sich  nicht  zerstreuen.  Aber  das  Gleichgewicht ¬
  hört  bey  einer  geschwinderen  Axendrehung  auf,  und  es  ist
nicht  mehr  möglich,  der  flüßigen  Masse  die  Gestalt  eines  elliptischen ¬
  Sphäroids  zu  geben,  so  daß  die  aus  der  Attraction  des
Sphäroids  und  aus  der  Schwungkraft  zusammengesetzte  Kraft  auf
der  Oberfläche  des  Sphäroids  senkrecht  wird.  Bey  einer  geschwinderen ¬
  Axendrehung  als  diejenige  ist,  welche  das  Gleichgewicht ¬
  noch  möglich  macht,  wird  sich  die  flüßige  Masse  unter  den
Polen  noch  mehr  abplatten,  und  unter  dem  Aequator  sich  erhöhen. ¬
  Die  unter  dem  Aequator  liegende  Theilchen  werden  jetzt
mit  ihrer  vorigen  Geschwindigkeit  größere  Kreise  beschreiben,  und
dazu  eine  längere  Zeit  als  vorher  gebrauchen.  Die  Dauer  der
Umdrehungszeit  wird  also  größer  werden,  und  nach  vielen  Oscillationen =
  wird  die  flüßige  Masse  wegen  ihrer  Zähigkeit  ins  Gleichgewicht ¬
  kommen,  und  diejenige  Gestalt  annehmen,  bey  welcher
vermöge  der  größeren  Umlaufszeit  die  Bedingung  des  Gleichgewichts ¬
  eines  elliptischen  Sphäroids  erfüllt  werden  kann  *).
§.  387.  Die  Abplattung  der  Erde  ,  oder  genauer
2317  ().  355),  welche  sich  aus  der  Voraussetzung  einer
gleichförmigen  Dichtigkeit  der  Erde  ergiebt,  stimmt  aber  weder ¬
  mit  den  Gradmeßungen,  noch  mit  den  beobachteten  Pendellängen ¬
  überein.  Vermöge  der  ersteren  scheint  die  Abplattung ¬
  der  Erde  nahe  354  zu  seyn  (§.  140.).  Aus  den  letztoren ¬
  folgt  die  Abplattung  =  185,26,  denn  es  muß  sich,
wenn  die  Erde  ein  gleichförmig  dichtes  elliptisches  Sphäroid
ist,  der  Halbmesser  des  Aequators  zu  der  halben  Erdaxe  verhalten, ¬
  wie  die  Schwere  unter  dem  Pol  zu  der  Schwere  unter ¬
  dem  Aequator  (§.  353.),  oder  wie  die  Länge  des  einfachen ¬
  Sekundenpendels  unter  dem  Pol  zu  der  Pendellänge  unter ¬
  dem  Aequator  (§.  259.  1.  4.)  =0,508341+0,0027618:
0,508341  (§  269)  =  185,06:  184,06.  Und  umgekehrt,
wenn  die  Erde  gleichförmnig  dicht  wäre;  so  müßte  sich  die
Pendellänge  unter  dem  Pol  zu  der  Pendellänge  unter  dem
Aequator  verhalten,  wie  231,7:  230,7.  Die  Voraussetzung ¬
  einer  gleichförmigen  Dichtigkeit  der  Erde  giebt  also
ihre  Abplattung  zu  groß,  und  die  Zunahme  der  Schwere
von  dem  Aequator  an  gegen  die  Pole  hin  zu  klein.
*)  Méc.  cél.  T.  III.  L.  III.  Ch.  III.  n.  21.  pag.  59.
            
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