Volltext : Bohnenberger, Johann G. F.: Astronomie

585
quemsten  beseitigt,  wenn  man  statt  der  Bahn  des  Monds  selbst
ihre  Projection  auf  die  Ebene  der  Ekliptik  sucht.  Die  Rechnung
wird  beträchtlich  vereinfacht,  wenn  man  die  mittlere  Länge  des
Monds  durch  die  wahre,  statt  die  letztere  durch  die  erstere  ausdrückt, ¬
  welches  Verfahrens  Clairaut  *)  und  La  Place  **)  sich
bedienten.  Tobias  Mayer  wählte  einen  andern  Weg,  indem  er
so  wohl  die  wahre  als  die  mittlere  Länge  des  Monds  mittelst  eines ¬
  Winkels  bestimmte,  welcher  nahe  der  wahren  Anomalie  in
der  elliptischen  Bahn  gleich  ist.  Aus  diesen  Ausdrücken  leitete
er  sodenn  die  Gleichungen  her,  mittelst  welcher  aus  den  mittleren ¬
  Bewegungen  die  wahre  Länge,  Breite,  und  Parallaxe  des
Monds  unmittelbar  können  gefunden  werden*).  Diesen  Gleichungen ¬
  gab  er  dadurch  eine  zur  Berechnung  noch  bequemere  Form,
daß  er  die  Correctionen  nach  und  nach  anbrachte  +).  Die  Gleichungen, ¬
  welche  er  nach  der  Theorie  gefunden  hatte,  verbesserte
er  sodenn  durch  eine  grosse  Anzahl  dem  grösten  Theil  nach  von
ihm  selbst  auf  der  Göttinger  Sternwarte  angestellter  Beobachtungen ¬
  und  machte  seine  ersten  Mondstafeln  im  Jahr  1753  in
den  Göttinger  Commentarien  bekannt,  welche  alle  vorhergehenden ¬
  weit  an  Genauigkeit  übertrafen.  Mit  der  Verbesserung  dieser ¬
  Tafeln  beschäftigte  er  sich  bis  an  seinen  am  20.  Febr.  1762
erfolgten  Tod,  und  seine  Wittwe  übersendete  im  Jahr  1763  diese
verbesserten  Mondstafeln  der  Längen=Commißion  in  London,
für  welche  sie  eine  Belohnung  von  3000  Pfund  Sterling  erhielt.
Sie  erschienen  zu  London  sammt  der  Mayerischen  Mondstheorie
im  Jahr  1767.  Eben  diese  Tafeln  stehen  in  der  Berliner  Sammlung ¬
  astronomischer  Tafeln.  Mason  verbesserte  diese  Tafeln
durch  eine  größere  Reihe  von  Beobachtungen  und  durch  die  Aufnahme ¬
  von  8  kleineren  Gleichungen,  welche  Mayer  nach  der
Theorie  gefunden,  aber  der  Kürze  der  Berechnung  wegen  weggelassen ¬
  hatte.  Man  findet  diese  Tafeln  in  der  dritten  Ausgabe
der  Astronomie  von  La  Lande,  in  der  Connoiss.  des  tems  für
1790,  und  in  den  Wiener  Ephemeriden.  Die  neuesten  Mondstafeln ¬
  sind  von  Prof.  Bürg  in  Wien  berechnet  worden.  Einige
neue  von  La  Place  durch  die  Theorie  gefundene  Gleichungen  und
eine  größere  Reihe  genauer  Beobachtungen  des  Monds,  als  diejenige, ¬
  welche  Mayer  zu  Gebott  stand,  gab  diesen  Tafeln  eine
noch  größere  Genauigkeit.  Bürg  hat  die  Form  der  Mayerischen
Tafeln  beybehalten,  und  es  scheint  Mayer  nicht  allein  die  ersten
genauen  Mondstafeln  geliefert,  sondern  auch  die  zum  Rechnen
bequemste  Form  derselben  gefunden  zu  haben.  Die  Gleichungen
*)  Mém.  de  l'Acad.  de  Paris.  1745  et  1748.  Theorie  de  la  Lune  par
M.  Clairaut.
**)  Mécan.  cél.  T.  III.  Livre  VII.
***)  Theoria  Lunæ  juxta  systema  Newtonianum.  Auctore  Tobia
Mayer.  Londini.  MDCCLXVII.
1)  A.  a.  O.  §.  49.
            
Waiting...

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzerin, sehr geehrter Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.

powered by Goobi viewer