Volltext : Bohnenberger, Johann G. F.: Astronomie

§.  24.  Die  Atmosphäre  der  Erde  ist  ein  Gemenge  von  verschiedenen ¬
  Gasarten,  welche  bey  einerley  Dichtigkeit  die  Lichtstralen ¬
  verschieden  brechen.  Aber  das  Verhältniß  dieser  Gasarten ¬
  zu  einander  ist  an  sehr  von  einander  entfernten  Orten  und
zu  verschiedenen  Zeiten  äusserst  nahe  immer  dasselbe.  Die  atmosphärische ¬
  Luft  enthält  in  100  Theilen  79  Theile  Stikgas  und  21
Sauerstoffgas  oder  Lebensluft  den  Volumen  nach,  und  3  oder
4  Theile  kohlensaures  Gas  oder  sogenannte  fixe  Luft  sind  in
1000  Theilen  atmosphärischer  Luft  verbreitet.  Gay=Lussac  hat
sich  von  Paris  bis  auf  eine  Höhe  von  21487  par.  Fuß  über  das
Niveau  der  Seine  erhoben,  und  die  von  dieser  Höhe  mitgebrachte ¬
  Luft  nach  einer  genauen  Untersuchung  mit  der  aus  den  niedrigsten ¬
  Schichten  der  Atmosphäre  genommenen  übereinstimmend
gefunden.
Endlich  hat  Ca  Place  noch  Untersuchungen  über  den  Einfluß ¬
  der  Feuchtigkeit  der  Luft  auf  ihre  stralenbrechende  Kraft  angestellt, ¬
  um  wenn  es  nöthig  wäre,  auf  das  Hygrometer  bey  den
Refraktionen  Rüksicht  zu  nehmen.  In  Ermanglung  direkter  Versuche ¬
  über  diesen  Gegenstand  gieng  er  von  der  Hypothese  aus,
daß  die  Wirkungen  des  Wassers  und  seines  Dampfs  auf  das
Licht  ihren  Dichtigkeiten  proportional  seyen.  Unter  dieser  Voraussetzung ¬
  fand  er  mittelst  des  bekannten  Brechungsverhältnißes  für
den  Uebergang  des  Lichts  aus  Luft  in  Wasser,  die  stralenbrechende ¬
  Kraft  des  Dampfs  größer  als  die  der  Luft,  wenn  sie  mit  dem
Dampf  einerley  Dichtigkeit  hat.  Aber  bey  einerley  Druck  übertrifft ¬
  die  Dichtigkeit  der  Luft  die  des  Dampfs  nahe  in  demselben
Verhältniß:  folglich  ist  die  von  dem  in  der  Atmosphäre  verbreiteten ¬
  Wasserdampf  herrührende  Refraktion  nahe  dieselbe,  welche
die  Luft  hervorbringen  würde,  deren  Stelle  er  einnimmt.  La
Place  fand  nemlich  für  12;  16;  20;  24;  28;  32;  Grade  des
Reaumurschen  Thermometers  über  dem  Gefrierpunkt/  die  durch
den  Wasserdampf  hervorgebrachte  Vergrößerung  der  Refraktion
in  45°  scheinbarer  Höhe  beziehungsweise  0,182;  0,  241;  0,316;
0,413;  0,535;  0,687  Sekunden,  woraus  man  die  einer  gegebenen ¬
  scheinbaren  Höhe  entsprechende  Zunahme  der  Refraktion  findet, ¬
  wenn  man  obige  Zahlen  mit  der  Cotangente  der  scheinbaren ¬
  Höhe  multiplicirt.  Biot  hat  dieses  Resultat  durch  direkte
Versuche  bestätigt,  welche  zugleich  zeigen,  daß  die  Refraktion
nur  in  so  fern  auf  die  Stralenbrechung  Einfluß  hat,  als  sie  die
Dichtigkeit  der  Luft  verändert.
§.  25.  Bringt  man  die  Wirkungen  der  Stralenbrechung ¬
  in  Rechnung;  so  wird  man  die  täglichen  Bewegungen
der  Fixsterne  sehr  genau  mit  der  Voraussetzung  der  Umdrehung ¬
  der  Himmelskugel  um  eine  unbewegliche  Are  überstim¬
            
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