437
so daß die Tiefe, auf welche das Gewicht Pin einer gegebenen ¬
Zeit sinkt sich zu der freyen Fallhöhe der Körper in eben
dieser Zeit verhält, wie die Differenz der zwey Gewichte zu
ihrer Summe. Hierauf gründet sich die Atwoodische Maschine ¬
*), mittelst welcher man die Fallhöhe in einer gegebenen ¬
Zeit nach Belieben vermindern, und die Gesetze der
gleichförmig beschleunigten und verzögerten Bewegung durch
Versuche erläutern kann. Galilei, der Erfinder der Gesetze ¬
des freyen Falls der Körper, bediente sich zur Prüfung
derselben, da er den freyen Fall seiner zu großen Geschwindigkeit ¬
wegen unzuverläßig fand, der geneigten Ebene, auf
welcher ein Körper in einer gegebenen Zeit einen in demselben ¬
Verhältniß kleineren Raum durchlauft, als die freye
Fallhöhe in derselben Zeit beträgt, in welchem die Höhe der
geneigten Ebeue kleiner ist, als ihre Länge (§. 254.).
§. 263. Wir wollen nun von den im vorhergehenden
§. vorgetragenen Sitzen eine Anwendung auf die Bestimmung ¬
der Länge des einfachen Pendels machen, welches
seine Schwingungen mit einem gegebenen zusammengesetzten
Pendel in gleichen Zeiten macht. An der geraden unbiegsamen ¬
Linie ch (Fig. 98.), welche sich um den Punkt c frey
drehen kann, und von der Vertikallinie um den Winkel acb
abgelenkt ist, befinden sich mehrere kleine Körper m,m „m.
Man beschreibe aus c als Mittelpunkt durch die Punkte
m, m, m die Kreisbogen mn, mn,mu, und ziehe an dieselbige ¬
die Tangenten mt, mit,mt. Auf der durch m gezogenen ¬
Vertikallinie m'h sey mg der Geschwindigkeit gleich
genommen, welche die Schwere in einer gegebenen Zeit erzeugt, ¬
ferner sey gt auf die Tangente mt senkrecht gezogen,
und das Parallelogramm mügr vollendet; so würde die
Schwere nach der Richtung der Tangente mt in derselben
Zeit die Geschwindigkeit mt erzeugen, wenn sie auf den
Körper m mit derjenigen Stärke fortwirkte, welche sie in
diesem Punkt nach der Richtung der Tangente hat, und die
übrigen Körper nicht da wären. Der nach der Richtung m)
*) Einfache Elnrichtung der Atwoodischen Fallmaschine von Fischer,
in Gilberts Annalen der Physik. B. XIV. S. 1. u. f.