388
Die Ungleichheiten dieser Bewegungen haben eine Periode von
Sekunden, Minuten, u. s. w. je nachdem die Zeit t in Sekunden, ¬
Minuten, u. s. w. ausgedrückt ist. Ist nemlich
2 4t; so wird a4mt =a +2r + mt', und Sin. (a +mt)
— Sin. (a + mt'), Cos. (a 4mt) — Cos. (a + mt).
§. 238. Die umgekehrte Aufgabe, aus dem Gesetz, nach
welchem die Geschwindigkeit von der Zeit abhängt, den in einer ¬
gegebenen Zeit beschriebenen Raum zu finden, könnte auf
ähnliche Art, wie in dem 234. und 235sten §. aufgelöst werden,
wenn nicht die Summation der dabey vorkommenden Reihen in
den meisten Fällen grosse Schwierigkeiten hätte. Kürzer läßt sich
die Aufgabe auflösen, wenn man den gegebenen Ausdruck der
Geschwindigkeit mit denjenigen Ausdrücken vergleicht, welche
man aus gegebenen Ausdrücken der Räume durch die Zeiten abgeleitet ¬
hat. Wenn z. B. v —C B Cos. (A+ Mt) wáre, wo
A, B,C und M gegebene Größen bedeuten; so würde dieser
Ausdruck mit dem §. 237. n. 1. gefundenen Ausdruck der Geschwindigkeit ¬
einerley Form haben, wenn B den Faktor Mhätte.
Man bringt ihn aber leicht auf diese Form, wenn man M.
statt B schreibt. Aus der Vergleichung des §. 237. n. 1. gefundenen ¬
Ausdrucks der Geschwindigkeit mit Ausdruck des Raums
S aus welchem er abgeleitet wurde, ergiebt sich in Beziehung auf
den hier vorgegebenen Ausdruck der Geschwindigkeit der in der Zeit
beschriebene Raum 8 — Ct +7 Sin. (A4 Mt).
Sucht man hieraus nach dem vorhergehenden §. die der Zeit
t entsprechende Geschwindigkeit; so erhält man v — C+ B Cos.
(A+ Mt), übereinstimmend mit dem vorgegebenen Ausdruck der
Geschwindigkeit, woraus folgt, daß der mit der vorgegebenen veränderlichen =
Geschwindigkeit in der Zeit t beschriebene Raum S
= Ct 4 w Sin. (A+ Mt) ist. Wenn nemlich die Geschwindigkeiten ¬
zweyer Bewegungen beständig einander gleich sind; so sind
die mit diesen Bewegungen in einerley Zeit beschriebenen Räume
ebenfalls einander gleich. Um dieses zu beweisen *), seyen R
und S die mit den zwey Bewegungen in der Zeit t beschriebene
Räume. Die sich bewegende Punkte mögen P und O heißen.
Erster Fall. Wenn die Geschwindigkeiten constant, oder die
zwey Bewegungen gleichförmig sind; so muß die Geschwindigkeit
c von P der Geschwindigkeit c' von 9 gleich, ot —et und R—S
seyn.
*) Treatise of Fluxions by Colin Maclaurin. Book I. Theor. IV. pag. 66.