II. § 3. Interimsscheine. Vollactien etc.
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zustellen, so müsste es doch — ist der Unkundige zu urtheilen ¬
geneigt — leichter gewesen sein, Zeichnungen auf zwei
als auf fünf Millionen zu erlangen. Wer 1000 Thaler zeichnete, -
musste sich ja doch, wenn er auch vorerst nur zur
Zahlung von 400 verpflichtet war, auf die Nachzahlung der
fehlenden 600 immer gefasst machen; und dies hätte doch auf
die Bildung der neuen Gesellschaft eher nachtheilig wirken
müssen. Darauf ist zu erwidern: in Zeiten eines hochgradigen
Optimismus, wo die Werthe beständig steigen, ist auch der
Leichtsinn bei Uebernahme hoher Zeichnungsverbindlichkeiten
in der Regel ein sehr bedeutender. Aus allen Geschäften sieht
man Vortheile erwachsen, und solche Wahrnehmungen machen
den Leichtsinnigen noch waghalsiger, flössen selbst dem Zaghaften ¬
vorübergehend Muth zu Unternehmungen ein. Die
Sorge um die Unterbringung eines Actiencapitals seiner Grösse
wegen war deshalb in der Gründerperiode so gut wie gar
nicht vorhanden. Wohl aber bot jene Verfahrungsweise für
die Gründer einen bedeutenden Vortheil. Man konnte nämlich,
da man den Gewinn bei der Gründung von Banken nur im
Agio suchte, auf fünf Millionen Thaler mehr Agio erhalten,
als auf zwei Millionen. Für jedes neue Bankunternehmen
wurden im Anfange glänzende Resultate vorausgesehen. Eine
Bank, welche einen verständigen, im Finanzfach halbwegs versirten ¬
Vorstand erhielt, galt mehr, als der Geldbetrag ihres
Grundvermögens ausmachte. Daher war es bei einiger Reclame ¬
immer möglich, ein nicht unbeträchtliches Agio auf
neue Actien zu erlangen. Die Actien einer neu entstandenen
Bank wurden nicht selten am folgenden Tage mit 110 % bezahlt. ¬
Der Laie mag hier wieder, und mit Recht, fragen, wie
das Agio sich denn habe erhöhen können, wenn das einge
zahlte Capital in Wahrheit das gleiche blieb. Das ist eben
der kritische Punkt. Hier leisteten die Nominalbeträge einen
der nichtswürdigen Dienste, deren sie fähig sind. Hundert
Thaler Nominal blieben dem Capitalisten immer hundert Thaler;
die Mahnung, dass die thatsächliche Einzahlung ja nur vierzig
betrage, dass in den 100 Thalern «Nominal» nur 40 Thaler Geld
enthalten seien, wurde nicht gehört. Es waren und blieben den
Käufern hundert Thaler, und man erreichte auf sie dasselbe Agio,