Volltext : Bohnenberger, Johann G. F.: Astronomie

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Nutationsellipse  —  19,36  Sekunden  ist;  so  ist  die  kleine
Axe  =  14,34  Sekunden  *).
Wegen  dieser  Nutation  der  Erdaxe  ist  sowohl  die  Schiefe ¬
  der  Ekliptik  als  die  Bewegung  der  Aequinoktialpunkte
einer  kleinen  von  der  Länge  des  aufsteigenden  Mondskuotens ¬
  abhängenden  Ungleichheit  unterworfen,  und  man  nennt
auch  hier  die  mit  der  jährlichen  Abnahme  von  0,521  Sekunden ¬
  für  eine  gegebene  Zeit  berechnete  Schiefe  der  Ekliptik ¬
  ihre  mittlere  Schiefe,  und  diejenige,  welche  wegen  der
Nutation  wirklich  Statt  findet,  die  wahre,  oder,  weil
man  die  letztere  wirklich  beobachtet,  auch  die  scheinbare
Schiefe.  Ferner  heißt  der  mit  der  jährlichen  gleichförmigen
Bewegung  von  50,1  berechnete  Ort  des  Aequinoktialpunkts
der  mittlere,  der  wegen  der  Nutation  wirklich  Statt  findende ¬
  Ort  aber  der  scheinbare.
§.  161.  Auch  für  die  Umdrehung  der  Erde  um  ihre
Axe  hat  man  einen  deutlichen  Beweiß  an  der  Zunahme  der
Schwere  von  dem  Aequator  an  gegen  die  Pole,  dessen  weitere ¬
  Ausführung  in  dem  dritten  Buch  vorkommen  wird.
Richer  machte  im  Jahr  1672  auf  der  Insel  Cayenne  nahe
unter  dem  Aequator  die  Beobachtung,  daß  seine  von  Paris
mitgenommene  und  daselbst  auf  mittlere  Zeit  regulirte  sehr
genaue  Pendeluhr  in  Cayenne  täglich  um  2  Min.  28  Sek.
zurückblieb,  und  ein  in  Cayenne  seine  Schwingungen  in  einer ¬
  Sekunde  machendes  Pendel  um  1  ½  Linie  kürzer  war,
als  das  Sekundenpendel  in  Paris.  Seit  dieser  Zeit  hat
man  unter  sehr  verschiedene  Breiten  die  Länge  des  einfachen
Sekundenpendels  bestimmt,  welche  zeigen,  daß  die  Zunahme ¬
  der  Pendellängen  vom  Aequator  gegen  die  Pole  hin  sehr
nahe  dem  Quadrat  des  Sinus  der  Breite  proportional  ist,
und  unter  dem  Pol  auf  2  ½  pariser  Linien  steigen  würde.
Es  verhält  sich  aber  die  halbe  Länge  des  einfachen  Sekun
denpendels  zu  der  freyen  Fallhöhe  in  einer  Sekunde  wie  das
*)  Schon  Rômer  hat  um  das  Jahr  1693  die  von  der  Nutation  herrührende ¬
  scheinbare  Bewegungen  der  Firsterne  bemerkt,  und  gehofft,  sie
aus  einer  Schwankung  (vacillatio)  des  Erdpols  erklären  zu  können.
Basis  Astronomiæe  a  P.  Horrebow.  Cap.  X.  §.  157.  pag.  66.
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