Full text : Bohnenberger, Johann G. F.: Astronomie

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Ungeachtet  die  Formel,  nach  welcher  diese  Grade  berechnet
sind,  den  aus  dem  ganzen  in  Frankreich  gemeßenen  Bogen  gefolgerten ¬
  Grad  genau  giebt,  und  die  dabey  gebrauchte  Abplattung ¬
  zwischen  mehreren  nicht  viel  von  einander  abweichenden
das  Mittel  hält;  so  zeigen  sich  hier  doch  sehr  beträchtliche  Unterschiede, ¬
  welche  nicht  auf  Fehler  der  Meßungen  können  geschoben ¬
  werden.  Man  müßte  die  Breite  von  Dünkirchen  und
Montjouy  um  nahe  5  Sek.  vergrößern,  die  von  Evaux  um
eben  so  viel  vermindern,  und  die  des  Pantheons  um    Sek.,
die  von  Carcassone  um  1  Sek.  vergrößern,  wenn  die  gemeßenen ¬
  Grade  in  diese  Ellipse  passen  sollten.  Auf  der  andern  Seite
können  aber  die  beobachteten  Polhöhen  nicht  um  mehr  als  eine
Sekunde,  und  die  auf  der  Erde  gemeßenen  Bogen  höchstens  um
einige  Toisen  ungewiß  seyn;  folglich  kommen  die  obige  Unterschiede ¬
  wenigstens  grösten  Theils  von  Unregelmäßigkeiten  der
Figur  der  Erde  her.
Eben  diese  Meßungen  zeigen  ferner,  wie  unsicher  die  aus
Gradmeßungen  gefolgerte  Abplattungen  seyen,
wenn  man  sie
auch  mit  der  grösten  Sorgfalt  angestellt  hat.  Wir  wollen  annehmen, ¬
  daß  in  Frankreich  nur  der  Bogen  von  Dünkirchen  bis
zum  Pantheon  in  Paris  gemeßen  worden  sey,  welcher  übrigens
schon  am  Himmel  einem  Bogen  von  mehr  als  zwey  Graden  entspricht; ¬
  so  würde  man  aus  diesem  und  dem  in  Peru  gemeßenen
die  Abplattung  —  395755  gefunden  haben.  Ferner  giebt  der
zwischen  Evaux  und  Carcassone  gemeßene  Bogen  mit  dem  Grad
unter  dem  Aequator  verglichen  die  Abplattung  —  221175,  ungeachtet ¬
  die  Differenz  der  Polhöhen  an  seinen  Endpunkten  beynahe ¬
  drey  Grade  beträgt.  Man  würde  also  um  die  Abplattung
der  Erde  durch  Gradmeßungen  mit  größerer  Genauigkeit  zu  erhalten, ¬
  unter  einer  Breite,  welche  von  der  mittleren  Breite  des
durch  Frankreich  gehenden  Bogens  beträchtlich  verschieden  wäre,
einen  ungefähr  eben  so  großen  Bogen  des  Meridians  meßen  müssen, ¬
  wobey  die  Unregelmäßigkeiten  der  Erde  keinen  so  großen  Einfluß ¬
  auf  die  Bestimmung  der  Abplattung  haben  würden,
§.  140.
Bey  der  Ungewißheit  über  das  Arenverhältniß
derjenigen  Ellipse,  durch  deren  Umdrehung  um  ihre  kleine  Axe
ein  Körper  beschrieben  wird,  welcher  der  Gestalt  der  Erde  am
nächsten  kommt,  kann  man  dasjenige  Axenverhältniß  wählen
durch  welches  die  Summe  der  positiven  sowohl  als  der  negativen ¬
  Abweichungen  der  berechneten  Grade  von  den  gemeßenen
am  kleinsten,  und  die  Summe  der  positiven  der  Summe  der  negativen ¬
  gleich  wird.  Hr.  von  Lindenau  fand  unter  dieser  Bedingung ¬
  das  Arenverhältniß  wie  303  :  304  *).  Einige  in  der
*)  Monatl.  Corresp.  August  1806.  pag.  133.
            
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