187
Zweytes Buch.
Von den wahren Bewegungen der Himmelskörper. ¬
Erstes Capitel.
Von der Gestalt und Größe der Erde.
§. 130. Daß die Erde eine beynahe kugelförmige Gestalt ¬
habe, ist schon aus dem 9ten §. bekannt. Aber man
wird jetzt ihre Gestalt und Größe genauer bestimmen müssen,
ohne deren Kenntniß es nicht möglich ist, die an verschiedenen
Punkten ihrer Oberfläche angestellten Beobachtungen auf einen ¬
gemeinschaftlichen Standpunkt zu reduciren, welchen man
in dem Mittelpunkt der Erde annimmt. In diesem Punkt
laufen die auf der Oberfläche der Erde senkrechte Richtungen
der Schwere nur unter der Voraussetzung einer genauen Kugelgestalt ¬
zusammen, in anderen Fällen hingegen nicht, und
man wird bestimmen müßen, welche Winkel die verschiedenen ¬
Halbmesser der Erde mit den Richtungen der Schwere
machen. Sodenn werden auch ihre Abmessungen in einem
bekannten Längenmaas zu der Bestimmung der Größe und
Entfernungen der Himmelskörper in eben diesem Maas dienen, ¬
deren Verhältniße zu einander in dem ersten Buch gefunden ¬
worden sind. Da man z. B. das Verhältniß des
Abstands des Monds von der Erde zu dem Halbmesser des
Erdáquators kommt (§. 63.); so wird man seinen Abstand
von der Erde nach dem pariser Fuß angeben können, wenn
man die Anzahl pariser Fuß kennt, welche auf den Halbmesser ¬
des Aequators der Erde gehen. Und da die unter ¬
dem Aequator Statt findende Horizontalparallaxe des
Monds der scheinbaren Größe des aus dem Mond gesehenen ¬
Halbmessers des Erdáquators gleich ist, und der scheinbare ¬
Halbmesser des Monds durch Beobachtungen gefunden