Volltext : Bohnenberger, Johann G. F.: Astronomie

einer  kleinen  Oefnung  in  einem  befestigten  Stük  Blech,
hält,  indem  man  die  Bleylothe  so  lange  verschiebt,  bis
sie  den  Stern  bey  seiner  grösten  Digression  bedecken.
Unter  der  Voraussetzung  einer  gleichförmigen  Umdrehung
der  Himmelskugel  wird  die  Zeit,  welche  von  dem  Durchgang ¬
  eines  Sterns  durch  den  Meridian  über  dem  Pol
bis  zu  seinem  nächstfolgenden  Durchgang  durch  denselben
unter  dem  Pol  verfließt  der  Hälfte  der  vollen  Umlaufszeit
desselben  um  den  Pol  gleich  seyn,  weil  die  Ebene  des
Meridians  durch  die  Weltaxe,  mithin  durch  die  Mittelpunkte ¬
  aller  Parallelkreise  des  Aequators  geht,  und  daher
dieselbige  halbirt.  Man  hänge  also  ein  Loth  auf,  halte
das  Aug  an  einer  kleinen  Oefnung,  welche  in  einem  horizontal ¬
  hin  und  her  beweglichen  Blech  angebracht  ist,  und
beobachte,  ohne  das  Blech  zu  verrücken  die  Zeiten  des
obern,  untern  und  hierauf  wieder  des  obern  Durchgangs
an  dem  Faden.  Sind  die  Zwischenzeiten  gleich;  so  ist
die  durch  den  Ort  des  Augs  und  das  Bleyloth  gelegte
Ebene,  die  Ebene  des  Meridians.  Sind  sie  aber  ungleich; ¬
  so  muß  die  Vertikalebene  gegen  derjenigen  Seite
hingerükt  werden,  wo  die  Zwischenzeit  größer  war  als
auf  der  andern,  d.  i.  man  muß  das  Blech  nach  der  entgegengesetzten ¬
  Seite  hin  bewegen,  und  dieses  Verfahren
so  oft  wiederholen,  bis  die  Zwischenzeiten  gleich  werden.
8.  Nimmt  man  auf  dem  Parallelkreis  eines  Sterns  S  Fig.
1.  auf  der  andern  Seite  des  Meridians  von  letzterem  an
einen  Bogen  dem  SF  gleich;  so  werden  die  von  R  aus
an  die  Endpunkte  dieser  Bogen  gezogenen  geraden  Linien
einander  gleich  (III,  7.  8.  E.)  Daher  sind  auch  die  Abstände ¬
  vom  Scheitel  auf  beyden  Seiten  des  Meridians
einander  gleich,  und  der  Zeitpunkt  des  Durchgangs  eines
Sterns  durch  den  Meridian  fällt  in  die  Mitte  zwischen
die  zwey  Zeitpunkte,  da  er  gleiche  Höhen  vor  und  nach
seinem  Durchgang  durch  den  Meridian  hatte.  Man  kann
also  durch  Beobachtung  der  Zeiten,  da  ein  Stern  auf
beyden  Seiten  des  Meridians  gleiche  Höhe  hatte,  die  Zeit
seines  Durchgangs  durch  denselben  finden,  und  diese  mit
derjenigen  vergleichen,  welche  man  auf  ähnliche  Art  wie
            
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