Volltext : Chladni, Ernst Florens Friedrich: Die Akustik

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durch  die  Schwingungen  keine  gute  Wirkung  für  die  Augen  that.  Nach  einiger  Zeit  gelang  es  mir,
meinen  neuern  Euphons  die  gehörige  Festigkeit  zu  geben,  so  daß  sie  nie,  weder  bei  dem  Spielen,
noch  bei  dem  Transport  (in  einem  besonders  dazu  eingerichteten  Reisewagen  unter  dem  Sitze),
selbst  nicht  einmal  bei  schnellem  Fahren  auf  übeln  Steinwegen  Schaden  gelitten  haben,  ich  bediente
mich  dazu  auch  besserer  Stäbe  von  dunkelm  und  milchweißem  Glase.  In  der  Folge  baute  ich  ein
Euphon  auch  noch  auf  andere  Art,  so  daß  es  nicht,  wie  bei  der  erstern  Bauart,  schreibepultförmig,
sondern  mehr  tischförmig,  der  Resonanzboden  nicht  senkrecht,  sondern  horizontal,  und  die  übrige
mechanische  Vorrichtung  nicht  hinter,  sondern  unter  den  Glasstäben  befindlich  war.  Ueber  die  Eigenschaften ¬
  dieser  Art  von  Instrumenten  sage  ich  hier  nichts  weiter,  weil  solches  schon  in  verschiedenen ¬
  Zeitschriften  geschehen  ist,  und  Viele  auch  mein  Euphon  gesehen  und  gehört  haben.  Das  Wesentliche ¬
  dieser  Erfindung  besteht  übrigens  darin,  daß  ich  zuerst  die  Idee  gehabt  und  ausgeführt  habe,
durch  Streichen  gläserner  Stäbe  (ob  sie  cylindrisch  oder  parallelepipedisch  sind,  ist  einerlei)  mit
nassen  Fingern  nach  der  Richtung  der  Länge  einen  Klang  (vermittelst  irgend  einer  mechanischen  Vorrichtung, ¬
  die  sehr  verschieden  seyn  kann)  hervorzubringen;  mithin  ist  kein  von  einem  Andern,  nachdem ¬
  ich  die  erste  Idee  gegeben  hatte,  geschehener  oder  etwa  in  der  Folge  geschehender  Bau  eines  solchen =
  Jnstrumentes  als  eine  neue  Erfindung  anzusehen.
Sowohl  auf  einigen  mit  meinem  Euphon  angestellten  Reisen,  als  auch  mitunter  bei  einem
Aufenthalte  in  Wittenberg  bemühte  ich  mich  immerfort,  manche  neue  akustische  Untersuchungen  anzustellen =
  und  bekannt  zu  machen,  die  mitunter  ziemlich  mühsam  waren,  wie  denn  z.  B.  volle  drei
Monate  erfordert  wurden,  um  die  in  meiner  Schrift  über  die  Longitudinalschwingungen,  welche  nur
zwei  Bogen  beträgt,  enthaltenen  Beobachtungen  anzustellen  und  in  Ordnung  zu  bringen.
Ein  Hauptbestreben  von  mir  war,  ein  Tastaturinstrument  zu  erfinden,  auf  welchem  man
jeden  Ton  nach  Belieben  fortdauern  und  durch  mehr  oder  weniger  Drück  anwachsen  oder  abnehmen
lassen  könnte.  Das  Clavier  (oder  Clavichord),  das  Pianoforte,  der  Flügel,  oder  überhaupt  alle
Instrumente,  wo  der  Klang  nicht  durch  Reibung,  sondern  durch  Anschlagen  hervorgebracht  wird,
haben  diese  Eigenschaft  schlechterdings  nicht,  so  daß  man  Bindungen,  synkopirte  Noten  und  lange
Aushaltungen,  wo  die  Töne  nach  dem  ersten  Angeben  an  Stärke  zunehmen  oder  mit  gleicher  Stärke
sortdauern  sollen,  gar  nicht  gehörig  darauf  vortragen  kann;  sie  gehören  also  (wie  Horstig  in  der  musikalischen =
  Zeitung  1799.  n.  24.  richtig  bemerkt)  nicht  unter  die  Singinstrumente,  sondern  unter  die
Klanginstrumente  (oder  vielleicht  noch  passender:  Klinginstrumente).  Auf  der  Orgel  kann  man  die
Töne  zwar  fortdauern,  aber  nicht  jeden  nach  Belieben  anwachsen  oder  abnehmen  lassen.  Jch  wollte
also  ein  Tastaturinstrument  hervorbringen,  wo  man  die  Fortdauer  und  das  Anwachsen  oder  Abnehmen =
  eines  jeden  Tones  ebensowohl,  wie  bei  allen  Geigen-  und  Blasinstrumenten  (wo  man  aber,
wenn  nicht  mehrere  beisammen  sind,  keine  volle  Harmonie  haben  kann)  in  seiner  Gewalt  hätte.  Ein
Bogenflügel  hat  zwar  diese  Eigenschaft,  ich  wollte  aber  keinen  bauen,  weil  dieses  schon  von  Andern
geschehen  war,  und  weil  es  unmöglich  ist,  ein  solches  Instrument  so  klein  und  compendiös  einzurichten, ¬
  daß  ich  es  auf  Reisen  in  meinem  Wagen  bequem  hätte  mitnehmen  können,  und  ich  übrigens
            
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