Volltext : Oken, Lorenz: Die Zeugung

nicht  anders  zu  den  Bläschen  gelangen,  als  in  dem  Blaschenstocke ¬
  selbst,  und  auf  mechanische  Weise.
Man  fiel  daher  theils  auf  eine  Art  ideeller  Befeuchtung ¬
  h),  wie  der  Magnet  dem  Eisen  den  Magnetismus
mittheilt,  oder  wie  die  Vorstellungen  im  Hirne  entstehen, ¬
  theils  auf  die  Aura  Seminalis  i)  die  nur  durch
einen  gewissen  Reitz  die  Bläschen  zur  Ablösung  bringe,
und  selbst  auf  die  Aufsaugung  des  Samens  von  den  Gefassen ¬
  der  Scheide  k),  aus  denen  er  in  den  allgemeinen
Kreislauf,  endlich  in  die  Blaschenstöcke  gelange,  dieselbe
zur  Entzündung  reitze,  und  so  die  Entwicklung  der  Bläschen ¬
  bewirke,  wobei  man  nicht  bedachte,  dass  die
Ueberfruchtung  eine  alltägliche  Sache  fein  müfste,  und
der  Samen,  an  jeder  beliebigen  Stelle  eingerieben,
Schwangerschaft  hervorbringen  könnte.
Diese  letzte  Hypothese  ist  so  sehr  durch  sich  selbst
widerlegt,  dafs  wir  uns  nicht  damit  beschäftigen  mögen,
die  Wirkung  der  Aura  Seminalis  hat  hingegen  noch
niemand  bewiesen,  wohl  aber  Spallanzani  sie  unter  die
Erdichtungen  gebracht,  so  sehr  sie  auch  seiner  Meinung ¬
  günstig  gewesen  wäre,  als  er  Froscheier,  beträchtliche ¬
  Zeit  dem  Samendufte  ausgesetzt,  nicht  zur
Entwicklung  bringen  konnte,  und  so  dem  dickern
Theile  des  Samens  das  Recht  der  Befruchtung  zusprechen ¬
  mufste,  und  zusprach  1).  Ware  auch  wirklich
h)  Harvey  hatte  diesen  hohen  Gedanken  —  er  liefs  den  Samen ¬
  gleich  einem  Gifte  auf  den  weiblichen  Leib  wirken.
i)  Van  Graaf  de  partibus  génital.  mulier,  und  mehre  des
vorletzten  Jahrhunderts.
k)  Casp.  Bartholinus  de  ovar.  mulier  et  gen.  hist.  1679.  p.  37.
Sibly  Johnson,  auch  zum  Theil  Grasmeyer.
1)  a.  a.  O.  Dissert.  II.  C.  5.
            
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