Volltext : Jhering, Rudolf von: Scherz und Ernst in der Jurisprudenz

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schreiben  sollen,  ist  ja  im  Grunde  völlig  gleichgültig.  Die
Bücher,  die  sie  schreiben,  beißen  Niemanden,  Jeder  kann
ihnen  aus  dem  Wege  gehen;  wer  es  nicht  thut,  wer  sie  kauft
und  liest,  hat  den  etwaigen  Schaden  sich  selber  zuzuschreiben.
Rein,  mein  Verehrtester,  die  Sache  steht  anders.  Die  schlechte
Waare  verdirbt  der  guten  den  Markt.  Ameier,  Bmeier,
Cmeier  und  die  übrigen  Meier  durchs  ganze  Alphabet  hindurch ¬
  bis  zu  Zmeier  über  Korrealobligationen,  Naturalobligationen, ¬
  untheilbare  Obligationen  u.  s.  w.,  rein  vom
sublimen  Standpunkte  der  „rein  wissenschaftlichen  Methode“
aus  ohne  die  geringste  Bezugnahme  auf  die  Fälle  und  Bedürfnisse ¬
  unseres  heutigen  Lebens,  machen  einen  armen  Praktiker ¬
  zuletzt  so  kopfscheu,  daß  er  im  Unmuth  schließlich  der
ganzen  Literatur  den  Rücken  kehrt.  Warum  hat  unsere  deutsche ¬
  Leinwandindustrie  ihren  früheren  Absatz  im  Auslande  so
gut  wie  eingebüßt?  Antwort:  weil  die  unsoliden  Leineweber
Baumwolle  unter  das  Leinen  gemischt  haben;  die  unsoliden
aber  haben  nicht  bloß  sich  selbst,  sondern  auch  die  soliden
um  den  Absatz  gebracht.
In  unserer  juristischen  Literatur  ist  es  ebenso.  Die
schlechten  Bücher  verderben  den  guten  den  Markt.  Wer
kauft  denn  noch  Bücher?')  Du  lieber  Gott!  unter  tausend
Juristen  kaum  Einer!  Ich  kenne  juristische  Bücher,  wahre
Wunderwerke  der  Gelehrsamkeit,  wie  z.  B.  Buchholz  über
Prälegate  (700  Seiten!),  von  denen  vielleicht  kaum  50  Exemplare ¬
  abgesetzt  sein  dürften,  und  ich  bin  überzeugt,  in  manchen ¬
  deutschen  Staaten  wird  sich  von  vielen  juristischen
Werken  auch  nicht  ein  einziges  Exemplar  auftreiben  lassen.
1)  Ich  meine  nicht  etwa  Holzschuher's  Theorie  und  Kasuistik  und
derartige  literarische  Hausmannskost,  auch  nicht  die  Kompendien,  sondern ¬
  diejenigen,  die  nach  Absicht  und  Ansicht  ihrer  Verfasser  in  den
Atherregionen  der  reinen  Wissenschaft  sich  bewegen,  die  Luftballonsuntersuchungen, ¬
  welche  die  ordinäre  Welt  tief  unter  sich  lassen.
            
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