Volltext : Oken, Lorenz: Die Zeugung

Er  sei  nun  wirklich  das,  was  man  im  Vogelei  Cicatricula ¬
  nennt,  was  hat  er  damit  gewonnen?  Wir  gestehen ¬
  nicht  nur  ein,  dafs  die  Cicatricula  auch  im  Unbefruchteten ¬
  sich  schon  finde,  sondern  benützen  diese
Behauptung  selbst  für  unsere  Theorie.  Wie  nemlich
das  Eiweifs  der  Uterus  des  Eies,  und  der  Dotter  die
Brust  des  Vogels  ist,  so  gilt  die  Cicatricula  ganz  und
und  gar  gleich  dem  graafischen  Blaschen,  und  muss,
wie  wir  es  nicht  anders  wünschen  können,  vor  aller
Befruchtung  gleich  diesem  im  Ei  sein,  obschon  weniger ¬
  vollkommen  erscheinen,  als  nach  der  Besamung.
Aber  nicht  einmal  die  Narbe  kann  er  sein,  da  diese
erst  bei  dem  Durchgange  des  Dotters  mit  demselben
verbunden  wird.
Er  halt  ihn  schlechthin  für  den  Keim  des  künftigen ¬
  Frosches  um  zu  Hallers  unzulänglichem  Beweise
eine  andere  gewagte  Sage  zu  bringen,  und  giebt  die
Entwicklung  des  Fötus  für  nichts  weiter,  als  eine  Vergrösserung ¬
  dieses  Keimes  an.  Swammerdam  aber,  der
sich  nicht  scheut,  die  Raupe  als  einen  Beweis  für  die
Einschachtelung  hinzustellen,  vergleicht  doch  den  Flecken ¬
  des  noch  an  seinem  Stielchen  hängenden  Froscheies ¬
  erst  den  zweiten  Tag  nach  der  Besamung,  mit
der  Cicatricula  a).
Dafs  nun  diese  nicht  der  Keim  selbst  sei,  und  er
erst  hinzu  komme,  beweist  nicht  nur  ihre  eigne  Unfruchtbarkeit, ¬
  sondern  auch  die  bestimmteste,  genaue
ste  Beobachtung  Blumenbachs  b),  nach  der  der  Embryc
nicht  aus  der  Cicatricula  des  Hühnereies,  ja  nicht  eina) ¬
  Bibel  der  Natur  deutsch.  Leipz.  S.  314.  und  320.
b)  Handbuch  der  vergleichenden  Anatomie  S.  514.
            
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