Volltext : Oken, Lorenz: Die Zeugung

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Keim  in  ihm?  Oder  entsteht  die  Frucht  erst  nach  der
Begattung  aus  der  Vereinigung  der  Safte  beider  Geschlechter ¬
  durch  eine  Art  von  Anschufs  der  Theilchen, ¬
  wie  es  bei  der  Krystallisatioh  der  Mineralien
der  Fall  ist?  Oder  gar,  schwimmen  die  Keime  in
der  Luft,  dem  Wassér  umher,  und  sammeln  sich  nach
und  nach  in  den  Geschlechtstheilen,  wo  sie  blofs  ausgebrütet ¬
  werden?  Die  thätigsten,  gelehrtesten  Physiologen ¬
  theilten  sich  in  die  Auflösung  dieser  Fragen,
keine  blieb  ohne  Anhänger,  denn  jede  war  nach  den
bekannten  Thatsachen  möglich,  jede  zeigte  Gründe
für  sich.
Die  heftigsten  Vertheidiger  der  im  Weibe  vor  der
Begattung  geformten  Keime,  der  Evolutions  -  Einschachtelungstheorie, ¬
  waren  in  neuern  Zeiten  Bonnet ¬
  q)  Haller  r),  und  Spallanzani  s).  Es  herrscht  eine
Genauigkeit  und  Wahrheitsliebe  in  ihren  Versuchen,
und  ein  Geist  in  der  Benutzung  derselben  für  ihre
Meinung,  der  zum  Bewundern  hinreifst.
Diese  Theorie  behauptet,  der  Embryo  liege  schon
vor  der  Begattung  als  Miniatur  aller  seiner  Organe  im
weiblichen  Blaschen,  und  zwar  nicht  nur  der  Embryo
für  das  nächste  Thier,  welches  geboren  werden  soll,
sondern  alle  für  alle  künftigen  Generationen  in  einander ¬
  gesteckt,  die  durch  den  Reitz  des  Samens  geweckt,
das  mütterliche  Blüt  in  sich  eindringen  lassen,  das
aber  nicht  anders  sie  vergröfsert,  als  indem  es  zwi9) ¬
  Considerations  sur  les  corps  organisés.
r)  In  seinen  kleinen  Werken,  über  die  Entstehung  des
Hünchens  im  Ei.
s)  Dissert.  di  Fisica  animal,  e  vegetab.  etc.  1780  im  zweiten -
  Theile.
            
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