Volltext : Oken, Lorenz: Die Zeugung

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Wir  wiederholen  noch  einmal  die  bei  der  Zeugung
statt  habenden  Momente:  Zuerst  Friction,  darauf  Oeffnen ¬
  des  Muttermundes,  Ausfliefsen  des  Bärmüttersaftes, ¬
  dann  Einfliessen  des  Zeugungssaftes,  der  im  Uterus ¬
  bleibt,  hierauf  schwellen  ein  oder  oft  zwei  auch
mehre  Blaschen  an,  die  Fransen  der  Trompeten  legen ¬
  sich  um  den  Bläschenstock,  das  oder  die  Bläschen
lösen  sich  ab,  ihr  Innhalt  wird  durch  peristaltische  Bewegung ¬
  der  Tuben  in  den  Uterus  gebracht,  und  hier
mit  den  Samen  vereinigt.
In  dem  Augenblicke  der  Verbindung  des  Samens
mit  dem  Blaschenstoffe  treten  die  Urthierchen  des  Samens ¬
  durch  die  Kraft  des  Blaschens  zusammen,  und  es
entsteht  mit  Einem  Schlage  die  Zeichnung  des  Thiers,
das  aber  des  Flüfsigseins  wegen  unsichtbar  bleibt,  eben
daher  aber,  so  wie  ein  Organ  undurchsichtig  wird,  es
nicht  nach  und  nach  gebildet  zu  werden,  sondern  schon
präformirt  zu  sein  scheint;  wie  es  Malpighi,  Harvey
und  besonders  Haller  im  Jungen  des  Hühnereies  sahen,
wo  ein  Organ  z.  B.  die  Lunge,  Leber  nicht  von  einem
kleinen  Puncte  an  sich  vergröfserte,  wie  es  doch  gemäfs
ihrer  Theorie  sich  zeigen  müsste,  wenn  ein  Keim  allmalich -
  zum  Fötus  heranwüchse,  sondern  auf  einmal
schon  grofs  zum  Vorscheine  kam,  daher  kömmt  auch
die  Beobachtung,  worauf  alle  Evolutionisten  zurückkommen, -
  dafs  man  ja  ganz  augenscheinlich  ohne  Mikroskop ¬
  die  junge  Pflanze  im  Samen,  und  mit  demselben ¬
  den  Fötus  in  der  Cicatricula  sehe,  wobei  sie  doch
überlegen  mögen,  dass  ja  alle  diese  Eier  schon  befruch
tet  sind.
Aus  dem  Chorion  des  isolirten  Embryo  verlängern
sich  dann  die  Zotten  zu  dem  Uterus,  wodurch  er  aus
seiner  galvanischen  Welt  in  die  der  Pflanze  eintritt,
tet  sie  nicht  —  und  der  Samen  geht  nicht  durch  die  Trompeten, ¬
  und  das  Bläschen  löst  sich  nicht  schon  im  Beischlafe ¬
  ab.
            
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