Full text : Oken, Lorenz: Die Zeugung

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Die  erste  Existenz  des  Insects  ist  daher  eine  Wurmexistenz ¬
  als  Linie,  aber  als  vollendetes  Thier  mufs  es
Kreifs,  d.  h.  Liniges  und  Kreifsiges  zugleich  sein.  Es
muſs  daher  vom  Linigen  in  das  Kreifsige,  in  die  Peripherieubergehen, ¬
  und  so  erst  wird  es  vollendeter  Kreifs.
Die  Form,  welche  es  als  Peripherie  erhält,  ist  nothwendig ¬
  der  vollendeten  Form  näher  verwandt,  als  die
des  Diameters;  nun  aber  ist  das  Kreifsige  das  Schema
des  Lichtes,  der  Farbe,  der  Naturplastik,  die  zweite
Form  des  Insectes  wird  daher  ein  plastisches  Kunstwerk ¬
  darstellen,  es  ist  Aurelia.
Die  erste  linige  Forln  ist  die  Raupe,  Larve,  als
Insectenwurm;  denn  die  Form,  welche  das  Insect
im  Ei  hat,  ist  allen  Thieren  gemein,  und  kann  nicht
als  zu  dieser  Metamorphose  gehörend  betrachtet  werden. ¬

Die  zweite  Form  ist  die  Peripherie,  die  Aurelia,
Chrysalis.
Die  dritte  endlich  ist  der  vollkommene  Kreis,  das
Insect,  woran  alle  Mahlerei  und  Plastik  verschwendet  ist.
In  der  Larve  ist  kaum  die  Spur  der  Ocellen  sichtbar,
in  der  Aurelia  entwickeln  sich  die  Augen,  und  im  vollendeten ¬
  Insecte  haben  sie  sich,  wie  durch  ein  Wunder, ¬
  des  ganzen  Kopfes  bemächtiget.  Alle  Anstalten
wurden  nur  getroffen  zur  Hervorbringung  des  Auges—
die  Metamorphose  des  Insectes  ist  eine  Entwicklung
des  Auges,  nicht  von  einem  tiefern  Sinne,  sondern  aus
dem  Kampfe  seiner  eignen  Entzweiung,  daher  der  Unterschied ¬
  zwischen  diesen  und  den  Kaulquappen.
            
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