Volltext : Oken, Lorenz: Die Zeugung

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das  wahre  Chorion  des  Eies  verlieren  sich,  und  überlassen ¬
  das  Athmen  der  höhern,  wahren  Kieme,  der
Lunge,  und  nun  erst  treten  die  Tastwerkzeuge,  die
Füfse  hervor,  der  Frosch  selbst  aber  wird,  gemäss  der
langsamen  Entwicklung  des  Schmecksinnes  der  er  ganz
und  gar  ist,  erst  nach  Jahren  ausgewachsen,  und  zur
Zeugung  fahig,  welches  für  die  Kleinheit  dieser  Thiere
eine  unbegreifliche  Erscheinung  wäre,  hielte  ihr  Sinn
sie  nicht  in  Fesseln,  Die  Mundhöhle  und  seine  Oeffnung, ¬
  die  Lage  des  Unterkiefers  sind  in  dem  Kaulquappen ¬
  ganz  anders  geformt  als  im  Frosche,  es  ist  so  zu
sagen  ein  ganz  anderes  Organ,  das  nur  bestrebt  ist,  eine
wahre  Mundhöhle,  würdig  des  Sinnes,  der  in  ihr  ruhen ¬
  soll,  hervorzubringen.  Der  Kaulquappe  ist  ein
Uebergang  vom  Tastsinn  zum  Schmecksinn,  von  der
ersten  Synthese  der  Thierheit  zu  der  zweiten.
Das  Insect  kann  keine  niedere  Thierklasse  in  seiner
Metamorphose  wiederholen,  denn  es  ist  keine  unter
ihm,  und  um  so  mehr,  da  es  keine  Synthese,  sondern
als  Reprasentant  des  Auges,  ein  polares  Thier  ist.
Es  selbst  eine  innere  Duplicitat  in  sich,  vorstellend
die  Pflanze,  und  so  ursprünglich  den  Kreifs,  welcher
das  Vorbild  der  ersten  Entzweiung  der  Natur  ist.  Wie
aber  die  Linie  das  Erste  alles  Lebendigen  und  Todten
ist,  so  wird  auch  das  Insect  zuerst  ein  Liniethier,  d.  h.
in  seiner  Sphäre  ein  Wurm  werden,  nicht  blofs  weil
der  Wurm  aller  Thierzeugung  Anfang  ist,  denn  in  sofern ¬
  sind  alle  Thiere  ursprünglich  Wurm,  sondern  weil
die  Idee  des  Wurmes  wesentlich  in  den  Kreifs  eingeht,
weil  die  Linie  ein  integrirender  Theil  dieses  ist.
            
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