Volltext : Oken, Lorenz: Die Zeugung

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Der  Mutterkuchen  ist  gleich  der  Athmenhaut ¬
  des  Embryo  im  Ei;  folgt  unmittelbar:
wie  diese  sich  von  der  Ernährungsquelle,  dem  Eiweisse ¬
  entfernt,  um  sich  an  den  Luftsack  des  Eies  anzulegen, ¬
  so  lauft  die  Nabelschnur  aus  dem  Fruchtwasser ¬
  zum  Uterus,  zum  Luftsacke,  breitet  da  ihre  Gefafse ¬
  aus,  die  nur  mit  sich  und  nicht  mit  denen  des
Uterus  anastomosiren,  um  so  vom  mütterlichen  Blute
den  Sauerstoff  durch  die  Wände  der  Gefaßse  aufzunehmen; ¬
  für  diesen  Satz  spricht  auch  das  Unterbinden
der  Nabelschnur,  worauf  schneller  Tod  folgt,  wenn
der  Fötus  nicht  durch  die  Lunge  athmen  kann,  spricht
das  Einstrômen  des  Blutes  in  die  Nabelarterien  sobald
das  Kind  zu  ersticken  droht,  hingegen  fallen  diése  zusammen ¬
  in  dem  Augenblicke  wo  das  Athmen  wieder
hergestellt  ist;  eben  so  die  hellere  Rôthe  des  Blutes
in  der  Nabelvene,  die  Gleichheit  dieser  Gefaßse  mit
denen  der  Athemhaut  im  Ei,  wo  sie  in  beiden  Fallen ¬
  nicht  die  Gekrößsnabelgefasse  sind,  endlich  der
Kreislauf  im  Fôtus,  der  bis  auf  den  heutigen  Tag  von
keinem  Physiologen  erklart  ist,  auch  absolut  unhegreiflich ¬
  und  widersinnig  ist,  so  wie  er  erzahlt  wird.
Ohne  Zweifel  könnt  ihr  den  Gegensatz  zwischen  der
rechten  und  linken  Herzkammer  nicht  laugnen,  jene
ist  nur  durch  venoses,  diese  nur  durch  arterioses
Blut  erweckbar;  mufs  daher  das  Herz  nicht  in  dem
Augenblicke  still  stehen,  in  dem  ihr  das  Blut  des
Fötus  für  blos  venos  erklärt,  oder  wird  die  Natur
wegen  euerer  Theorie  eine  Ausnahme  machen?  Wenn
ihr  aber  auch  wirklich  glaubt,  dafs  oxydirtes  Blut  aus
der  Nabelvene  komme,  so  bleibt  euch  doch  der  Kreis¬
            
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