Volltext : Oken, Lorenz: Die Zeugung

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rungsgefaße  reichen  kaum  über  die  Haut  hinaus,  und
saugen  da  den  Chylus  ein,  der  schon  gezwungen  ist,  im
Schafwasser  zu  ihnen  hinzuschwimmen;  denn  die  Nabelschnur ¬
  ist  keine  Wurzel,  ausgesendet  um  fremde
Nahrung  zu  suchen.  In  einem  jeden  Falle  aber  ist  die
Existenz  an  zwei  Individuen  vertheilt,  an  das  mütterliche ¬
  und  das  fotale  Princip,  nemlich  an  das  Ernahrende, ¬
  und  an  den  Keim;  wie  die  Pflanze  an  die  Erde,
so  der  Fmbryo  durch  die  Zotten  des  Chorions  an  die
innere  Flâche  des  Uterus.
In  dieser  Epoche  der  Entzweiung  tritt
das  Geschlecht  hervor,  denn  alles  Geschlecht  ist
Pflanzennatur,  der  Embryo  wird  aber  jetzt  erst  durch
die  Theilung  seines  Lebens  zur  thierischen  Pflanze,  daher ¬
  kann  die  Geschlechtsdifferenz  nicht  im  ersten  Zustande ¬
  desselben,  sondern  mufs  jetzt  erst  erschaffen
werden.
Dieses  Resultat  gehört  mit  unter  die  wichtigsten
dieser  Theorie.  Man  weifs,  wie  die  Entstehung  des
Geschlechts  von  jeher  der  Stein  des  Anstofses  war,  wie
viel  darüber  gedacht,  gefabelt,  anatomirt,  beobachtet
wurde,  und  doch  alles  blieb  vergeblich.  Man  versuchte
sogar  Anweisungen  zur  willkürlichen  Erzeugung  von
Knäbchen  und  Madchen  zu  geben;  Selbst  Aristoteles
hat  davon  geschrieben,  und  nach  ihm  auch  einige  aus
Liebe  zur  Wissenschaft,  die  meisten  aber  aus  blosser
Beutelschneiderei,  womit  sie  vorzüglich  in  neuern  Zeiten ¬
  das  Publicum  betrogen,  wovon  z.  B.  der  Küster
Henke,  und  einige  Franzosen  eclatante  Muster  sind.
Die  altesten  Meinungen  hierüber  vertheilten  die
Geschlechter  nach  den  Hoden;  in  dem  rechten  sollte
            
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