Full text : Oken, Lorenz: Die Zeugung

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etwas  weniger  Samen  aufgezogen  wird,  da  kein  Theil
desselben  für  dieses  oder  jenes  Organ  präformirt  ist,  sondern ¬
  jedes  Organ  erst  durch  die  Synthese  entsteht,  eben
so  wenig  wird  auch  aus  überflüssigen  Samen  ein  Organ
zu  viel  wachsen,  aus  demselben  Grunde  —  im  Ganzen
aber  ist  nie  zu  viel  Samen  da,  weil  nicht  aller  zum  Embryo ¬
  verwendet  wird,  und  die  Menge  als  Vehikel  der
Urthiere  so  nothwendig  ist,  als  der  Saft  der  Prostata,
um  die  Flüssigkeit  leichter  aus  der  Ruthe  zu  bringen,
daher  er  denn  nach  diesem  geleisteten  Dienste  aus  der
Scheide  wieder  fortgeht,  ja  viele  Gelehrte  halten  ernstlich ¬
  die  Flüssigkeit  in  den  Samenblaschen  nicht  einmal
für  Samen  —  Dafs  aber  einmal  mehr  als  das  andre  Samen ¬
  abgesondert  werde,  welches  von  der  Enthaltsamkeit ¬
  des  Mannes  abhängt,  ist  ein  nicht  zu  würdigender
kindischer  Einwurf,  der  die  Natur  zu  einer  steifen  mit
dem  Zirkel  ängstlich  abgestochnen  Bildsäule  ohne  freie
Regung  herabzieht:  wie  der  Mensch  in  seinen  individuellen ¬
  Handlungen  freies  Spiel  hat,  so  die  Natur;
denn  Makrokosmos  —  Mikrokosmos,
„Da  jede  Organisation  auf  eine  bestimmte  Form  beschränkt ¬
  ist,  so  muſs  alle  ihre  Thätigkeit  auf  Production ¬
  und  Reproduction  dieser  Form  gerichtet  sein.  Der
Grund  also,  warum  jede  Organisation  ins  Unendliche
fort  nur  sich  selbst  reproducirt,  ist  in  der  ursprünglichen ¬
  Beschränktheit  ihres  bildenden  Triebs,  nicht
aber  etwa  in  präformirten  Keimen  zu  suchen,
für  deren  Wirklichkeit  man  auch  nicht  einen  Schatten
von  Beweis  hat.  Die  ersten  Keime  aller  organischen
Bildung  sind  selbst  schon  Producte  des  Bildungstriebes. ¬
  Auch  hat  man  keinen  Grund  anzunehmen,  dafs
            
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