Volltext : Lempert, Wolfgang: Untersuchungen zum Sozialisationspotential gesellschaftlicher Arbeit

88  -Der -
  Erfassung  ihrer  Moderatorvariablen  liegt  die  Haupthypothese -
  zugrunde,"
daß  bei  ungünstiger  Beurteilung
einzelner  Aspekte  der  Arbeitssituation  auch  bestimmte
emotionale  Prozesse  unterstellt  werden  können,  derart,
daß  individuell  relevante  Lebensziele  und  Bedürfnisse
als  bedroht  wahrgenommen  werden.  Ob  und  in  welchem  Ausmaß
diese  Erfahrung  individuell  virulent  wird  (und  damit
die  Entstehung  psychischer  Störungen  begünstigt),  ist
abhängig  von  einer  Reihe  subjektiver  und  objektiver
Zusatzbedingungen"
(S.  5).  Wie  KALLEBERG  (values),  aber
nicht  derart  aufwendig  (anstelle  von  Faktorenanalysen
bzw.  daraus  resultierenden  Faktor-Scores  wählten  sie
pro  Skala  zur  Arbeitssituation  ein  Markier-Item),  ziehen
sie  vor  allem  die  den  Einzelaspekten  von  Arbeit  zugemessene -
  Wichtigkeit  heran.  Darüber  hinaus  berücksichtigen
sie  aufgrund  differenzierterer,  von  den  Arbeitskategorien
ausgehenden  Überlegungen,  die  Beurteilung  der  regionalen
Arbeitsmarktlage,  die  der  Chancen,  einen  gleichwertigen
Arbeitsplatz  zu  bekommen,  sowie  das  Lebensalter.
Die  Ergebnisse  zeigen  zunächst,  daß  bei  einer  beruflich
relativ  homogenen  Stichprobe  bereits  die  direkte  Verknüpfung -
  von  wahrgenommenen  Arbeitsaspekten  und  psychischen
Merkmalen  sinnvoll  ist  (überwiegend  signifikante  Korrelationen -
  von  .14  bis  .50).  Von  den  wahrgenommenen  Arbeitsplatzmerkmalen -
  sind  die  unbefriedigenden!  Sozialbeziehungen
sowie  die  geringe  Variabilität  der  Anforderungen  die
wichtigsten  Korrelate  psychischer  Störungen;  von  den
Indikatoren  psychischer  Störungen  sind  die  drei  letztgenannten -
  gleichermaßen  mit  Arbeitsbedingungen  verknüpft,
während  bei  psychosomatischen  Beschwerden  die  Korrelationen
mit  Arbeitsaspekten  geringer  sind.  Nach  Dichotomisierung
der  Stichprobe  anhand  der  Moderatorvariablen  erbringt  die
gruppenspezifisch  vorgenommene  Korrelationsberechnung
differenziertere  und  zum  Teil  wesentlich  höhere  Zusammenhänge: -
  Bei  Arbeitern,  die  Arbeitsinhalt  und  Sozialbeziehungen -
  für  individuell  sehr  wichtig  halten,  ist  der
Zusammenhang  zwischen  wahrgenommener  Restriktivität  der
Sozialbeziehungen,  dem  Arbeitsinhalt  und  negativer
psychischer  Befindlichkeit  auffallend  hoch  (im  wesentlichen -
  zwischen  .30  und  .60).  Demgegenüber  sind  die
Korrelationen  bei  den  Arbeitern,  denen  diese  Arbeitsaspekte
eher  unwichtig  sind,  auch  wenn  sie  diese  als  restriktiv
wahrnehmen,  gering  (kaum  über  .20).  Hier  wäre  allerdings
künftig  anhand  der  Beobachtung  der  tatsächlichen  Arbeitssituation -
  zu  prüfen,  inwieweit  nicht  bereits  die  Bewertung
rückwirkend  die  Wahrnehmung  beeinflußt  hat.  Die
Restriktivität  dieser  Arbeitsplatzmerkmale  kommt  also
wahrscheinlich  erst  dann  zum  Tragen,  wenn  diese  Merkmale -
  auch  für  wichtig  gehalten  werden.  Bei  den  anderen -
  Aspekten  der  Arbeit  gilt  das  nicht,  d.h.  unab-- -
  also  auch
hängig  von  der  ihnen  zugemessenen  Wichtigkeit
wenn  sie  individuell  als  unwichtig  eingeschätzt  werden
            
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