Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

vor  ihrer  Befruchtung.
gethan  und  bei  dieser  Gelegenheit  gezeigt,  daß  die
Natur  immer  nach  algemeinen  Regeln  zu  wirken  pflege,
die  sie  aber  mehr  zu  verändern  schiene,  als  daß  es  das
Ansehn  hätte,  sie  befolge  ganz  andre,  und  von  jenen
gänglich  verschiedne  Gesetze.  Es  giebt  immer  nur  einen
einzigen  Weg,  der  für  den  besten  zu  halten  ist,  der
nach  einem  gewissen  Ziele  führt;  und  dieser  ist  ganz
sicher  derjenige,  den  die  Alwissenheit  des  Schöpfers
erwählt,  und  allen  andern  vorgezogen  hat.
So  hat  denn  auch  unser  unermüdeter  und  aufmerksamer ¬
  Naturforscher,  in  den  Saamenbehältnissen
gewisser  Pflanzen,  die  kleinen  Körngen  gesehen,  die  lange
zuvor,  ehe  der  befruchtende  Blumenstaub  sie  befruchten ¬
  konte,  reifen  musten:  er  hat  die  Entwikkelung
nach  der  Befruchtung  mit  seinen  Beobachtungen  verfolgt; ¬
  er  hat  das  Pflänzgen  und  die  Saamenblätter
entstehen  sehn;  er  hat  gefunden,  daß  die  Schalen  oder
Hülsen  der  Körner  bei  der  Befruchtung  präexistirten,
und  indem  er  die  im  Saamenkörngen  des  Rittersporns
bestehende  Flüssigkeit,  noch  vor  der  Befruchtung  steif  zu
machen  wuste,  so  hat  er  auch  das  Pflänzgen  mit  seinen
Saamenblättern  gesehn:  woraus  nun  folgt,  daß  die
außerordentliche  Kleinheit  der  Embryonen,  und  ihre
Durchsichtigkeit  ihn  bisher  verhindert  hatten,  sie  zu
entdekken.  Er  belehrt  uns  diesem  zu  folge,  daß  wir
ja  nicht  schlüssen  möchten,  daß  da  nichts  vorhanden
sei,  wo  man  nichts  sehen  kan:  und  daß  es  keine  Früchte
vor  der  Befruchtung  gäbe,  weil  man  sie  noch  nicht  zu
entdekken  gewust  hätte.
Wenn  man  nun  gleich  in  diesem  Werke,  neue
Beweise  von  der  Uebereinstimmung  der  Naturgesetze  antrift, ¬
  so  wird  man  auch  hierinne  eine  Anzeige  einer
sehr  wunderbaren,  und  ganz  unerwarteten  Ausnahme
von
            
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