vor ihrer Befruchtung.
35
Wir haben also alle, nebst Thieren, Thiergen
und Pflanzen, als unsern Zeitgenossen, nunmehr sechs
tausend Jahre gelebt. Ja wir haben alle gelebt, und
zwar im allerstrengsten Verstande: denn, wenn uns
nicht ein Lebensprincipium, von der Schöpfung der Welt
her, belebt hätte, denn das ist der Anfang unsers Daseins, =
gewiß wir würden längst nicht mehr sein. Wir
haben zwar wirklich unter einer unsichtbaren Gestalt
gelebt, unser Leben war dann, als von dem, was es
jezt ist, sehr unterschieden, vielleicht war es noch weit
schwächer, als das Leben eines Keims, der nur erst
befruchtet worden, oder auf dem Punkt ist, befruchtet ¬
zu werden: doch haben wir darum nicht weniger
gelebt, weil wir uns indessen entwikkelt haben. Ich
zweifle gar nicht, daß vernünftige Geschöpfe von weit
feinern Sinnen, als die unsrigen, verschiedne Erscheinüngen, ¬
aller seit unsrer langen Entstehung erlittenen Entwikkelungen =
solten beschreiben können. In der Tochter ¬
der Eva, von welcher auch mein Leser ohne Zweifel ¬
abstamt, war die Reihe der Früchte schon nicht
mehr so groß, als in ihrer Mutter, die sie noch alle
ganz enthielte: daß sie also dergestalt in dem nämlichen ¬
Orte einen größern Plaz einnehmen konten, weil
sie sich nun schon an der Zahl vermindert hatten. Dies
gilt auch von jeder ihrer Descendenten bis auf die,
welche dir, mein Leser! das Leben gegeben hat: so, daß,
da almählig, von einer Generation zur andern, der,
für die Keime bestimte Raum, indem er sich in der
Verhältniß vergrößert, als die Anzahl der Früchte abnimt, ¬
sie auch daher ein almähliges, und dem Raume
angemeßnes vermehrtes Wachsthum nehmen können,
welches sodann den Punkt ihrer möglichen Entstehung
bestimt, so bald als die Gelegenheit zur Entwikkelung
mehr oder weniger wirksam wird. Daß also der Grad
C 2
(inten¬