Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

Geschichte  der  organisirten  Körper,
16.
dieß  Blut  unterhält  das  Leben  des  einen,  d.  i.  des  Küchelgens, ¬
  und  verhütet  das  Verderben  des  andern,  des
Dotters,  damit  es  dem  ersten  noch  ferner  nüzlich  sein
könne.  Das  Dotter  ist  also  ein  wesentlicher  Theil  des
Hühngens  im  Eie,  weil  sie  beide  nur  ein  gemeinschaftliches ¬
  Gefäßesystem  haben:  Wenn  nun  daher  das
Dotter  schon  im  unbefruchteten  Eie  sowohl,  als  in  dem
befruchteten,  vorhanden  ist,  so  muß  es  auch  nothwendig =
  samt  dem  Gefäßesystem,  welches  mit  dem  Hühngen ¬
  nach  der  Befruchtung  einen  Zusammenhang  hat,
darinne  liegen.  Allein  es  fragt  sich,  wenn  nun  das
Gefäßesystem  im  Dotter  sich  befindet,  würde  es  auch
ohne  das  Hühngen,  welches  gleichsam  dessen  Ende  oder
Verlängerung  ist,  vorhanden  seyn?  So  entsteht  die
Frage  wegen  der  Häute  des  Dotters,  welche  die  Gedärme ¬
  des  Hühngens  bilden;  würden  diese,  als  ein
wesentlicher  Theil  desselben,  in  Ermangelung  des  Hühngens, ¬
  doch  zugegen  sein?  Hier  muß  ich  stille  stehn,  und
meinen  Fragen  Einhalt  thun.  Ich  will  nur  zeigen,
daß  diese  Phänomene  Hallern  so  in  Verwundrung
sezten,  daß  er  dadurch  gezwungen  wurde,  seine  bis
dahin  über  die  Erzeugung  gehegte  Meinung  fahren  zu
lassen,  ob  sie  gleich  derjenigen  von  der  Präexistenz  des
Keimes  in  dem  Weibgen  vor  der  Befruchtung  geradezu ¬
  entgegen  war.
Endlich  wenn  man  das  Hühngen  im  Eie,  gleichsam
wie  in  einer  Wiege,  betrachtet,  worinne  es  so  lange
ruhig  liegt,  bis  es  befruchtet  wird,  kan  man  es  sich
wohl  ohne  Theile,  die  das  Ganze  wesentlich  ausmachen, ¬
  denken?  Wenn  sich  das  so  verhielte,  so  wäre  es
von  dem  Hühngen  verschieden,  und  die  Natur=würde
auch  nimmermehr  ein  Hühngen  daraus  zum  Vorschein
bringen.  Allein,  wenn  man  annimt  oder  zugiebt,
daß
            
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