Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

12  Geschichte  der  organisirten  Körper,
Erwartung  soll  befriedigt,  und  die  Natur  seinen  mühsamen ¬
  Untersuchungen  unterworfen  werden.  Die  Naturforscher ¬
  nahmen  an,  daß  der  Fötus  bei  der  Befruchtung ¬
  schon  präexistire,  und  daß  diesemnach,  die  Erzeugung ¬
  keine  Schöpfung,  sondern  nur  die  Entwikkelung ¬
  eines  schon  vorhandenen  Geschöpfes  sei.
Nach  diesem  System  ist  alles  leicht  zu  erklären,
wie  auch  schon  in  der  Abhandlung  selbst  ist  gezeigt  worden: ¬
  allein  dieses  System,  so  leicht  und  einfach  es
schien,  führte  demohnerachtet  seine  Schwierigkeit
mit  sich,  die  aufgelöst  zu  werden  verdiente.  Denn
da  Männgen  und  Weibgen  zugleich  in  dem  Erzeugungsgeschäfte ¬
  wirksam  sind,  so  konte  ja  der  Keim  ursprünglich ¬
  in  dem  einen  so  gut,  als  in  dem  andern  vorhanden
sein.  Dieser  zweifelhafte  Umstand,  hat  Anlaß  zu  zweierlei ¬
  Meinung  gegeben:  die  eine  Parthei  glaubte,  das
Männgen  habe  die  Fötus  in  sich  verschlossen,  die  andre ¬
  hielt  davor,  sie  müsten  sich  in  dem  Weibgen  befinden, ¬
  und  von  demselben  bebrütet  worden  sein.  Beide ¬
  Meinungen  waren  nicht  unwahrscheinlich:  sie  musten ¬
  nun  richtig  bestimt  werden.  Wahrscheinlichkeit
wollen  wir  weiter  gar  nicht  aufsuchen,  nur  die  Natur
selbst,  oder  einen  ihrer  Lieblinge,  ihren  besten  Dollmetscher, ¬
  wollen  wir  darüber  zu  Rathe  ziehen.
Der  Abt  Spallanzani  hat  uns  das  Naturgesez, ¬
  wovon  Haller  schon  die  ersten  Zeilen  gelesen,
laut  verkündigt:  er  zeigt  uns,  daß  die  Keime  allzeit
schon  vor  der  Befruchtung  in  dem  Schooße  der  Mutter ¬
  liegen,  und  beweist  dadurch,  daß  diese  im  strengsten ¬
  Verstande  Mütter  ihrer  Jungen  sind.  Man  durfte
gar  nicht  daran  zweifeln,  indem  unser  scharfsichtiger
Beobachter  bewies,  daß  die  Thiergen  in  der  Saamenfeuchtigkeit, ¬
  die  man  als  die  vom  Männgen  während
der
            
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