Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

442  III.  Abhandlung.  Fünftes  Kapitel.
scher,  Grew,  Ray,  Cammerar,  Morland,  Geoffroy,
Vaillant,  Jüssieu,  du  Hamel,  Adanson,  und  Bonnet
haben  alle  ein  doppelt  Geschlecht  im  Pflanzenreiche  angenommen; ¬
  und  sind  völlig  der  Meinung,  daß  zur  Befruchtung ¬
  derselben  auch  die  Vereinigung  beider  Geschlechter ¬
  erfordert  würde.  Man  stelt  mir  den  vornehmsten ¬
  aller  Kräuterkundiger  vor,  der  eine  besondre  Abhandlung ¬
  von  den  Begattungen  der  Pflanzen  geschrieben, ¬
  und  zur  unerschütterlichen  Grundlage  seines  Ratursystems ¬
  die  Zeugungstheile  gemacht  hat.  Er  bestimt ¬
  die  Blumen  und  Werkzeuge,  die  zur  Erzeugung
der  Pflanzen  erforderlich,  und  zur  Befruchtung  der
Körner  dienlich  sein  sollen.  Er  zeigt,  daß  der  Blumenstaub ¬
  sich  in  die  Luft  verbreitet,  die  Staubnarbe  des
Pistills  dessen  Einfluß  genieße,  auch  die  Richtung  des
Pistills  stets  so  sei,  daß  der  Staub  leicht  aufgefangen
werden  könne:  mit  einem  Worte,  ich  erinnere  mich,
daß  dieser  große  Kräuterkundige  einleuchtend  die  Nothwendigkeit ¬
  des  Pistills  und  der  Antheren  zur  Befruchtung ¬
  bewiesen  hat;  denn  wenn  man  bei  den  Zwitterblumen =
  vor  ihrem  Aufblühen  die  Pistille  nebst  den  Staubfäden ¬
  abschnitte,  so  erfolgte  keine  Befruchtung  der  Körner, ¬
  und  das  nämliche  erfolgte,  wenn  die  Staubfäden
in  Pistille  und  die  Pistille  in  Blätter  sich  verwandelten.
Endlich  setzen  jene  angezogene  berühmten  Männer  auch
dieses  zur  Bestärkung  und  zum  Beweise  hinzu,  daß
man,  vermittelst  des  Blumenstaubes,  bei  verschiednen
Pflanzen  künstliche  Befruchtungen  bewirkt  habe;  nach
welchem  allen  zu  folge  gar  kein  Zweifel  mehr  übrig
bleibt,  daß  die  Wirkung  des  befruchtenden  Blumenstaubes ¬
  zur  Befruchtung  der  Pflanzen,  nicht  ein  allgemeines ¬

            
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