Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

430  I.  Abhandlung.  Fünftes  Kapitel.
§.  XLIV.
Herr  Adanson  behauptet  als  eine  Wahrheit,
daß  das  kleinste  Partikelgen  Blumenstaub,  wenn  es  nur
in  das  Pistill  gelangte,  schon  hinlänglich  zur  Befruchtung ¬
  sein  solte.  Wenn  sich  dieses  auf  solche  Art  verhielte, ¬
  so  wäre  es  eben  so  mit  der  Befruchtung  der
Pflanzen,  wie  mit  der  Amphibien  ihrer  beschaffen,  da
ich  gezeigt  habe,  wie  nur  ein  kleines  Tröpfgen  dieselbe
zu  bewirken  hinlänglich  wäre:  allein  dieser  große  Gelehrte ¬
  giebt  hier  nur  eine  Hypothese  für  Wahrheit  aus,
woraus  weder  das,  noch  der  Einfluß  des  Lebensgeistes,
der  die  Pflanzen  befruchten  soll,  erwiesen  werden  kan;
ob  er  gleich  behauptet,  daß  ein  ähnliches  geistiges
Wesen,  das  aus  dem  Saamen  der  Thiere  herkäme,
die  Embryonen  befruchte,  welches  doch  gänzlich  wider
meine  Erfahrungen  streitet,  und  grundfalsch  ist.  Es
würde  auch  nichts  leichter  sein,  als  diese  Hypothese
durch  Versuche  zu  prüfen,  wenn  man  nur  künstliche
Befruchtungen  mit  der  Pflanze  des  Bingelkrautes  anstellen ¬
  will:  man  müste  dieselben  aber  auch,  wie  ich
es  bei  den  Thieren  gethan  habe,  auf  verschiedne  Art
verändern,  und  dann  würden  auch  ohne  Zweifel,  mancherlei ¬
  schöne  Kentnisse  in  dieser  Sache,  daraus
folgen.
§.  XLV.
Ich  finde  zwischen  der  Saamenfeuchtigkeit  der
Thiere  und  der  Pflanzen  eine  bewundernswürdige  Aehnlichkeit; ¬
  beide  behalten  ihre  befruchtende  Kraft  auf
eine  gewisse  Zeit,  nachdem  man  sie  schon  aus  ihren
natürlichen  Behältnissen  gezogen  hat.  Der  Saamen
von
            
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