Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

428  III.  Abhandlung.  Fünftes  Kapitel.
Staub  nicht  einmal  frisch,  sondern  beinahe  krokken  gewesen ¬
  sein  muß;  indem  er  schon  neun  Tage  zuvor  zu
dieser  Operation  gesammelt  worden  war.
Während  der  Zeit,  als  ich  über  die  Bingelkrautpflanze ¬
  meine  Beobachtungen  anstelte,  siel  es  mir  eben
noch  nicht  ein,  künstliche  Befruchtungen  anzustellen:
aber  ich  habe  keinen  Augenblik  angestanden  zu  glauben,
daß  es  mir  nicht  eben  so  gut,  als  wie  dem  preußischen
Naturforscher,  glükken  solte,  und  da  diese  künstlichen
Befruchtungen  sehr  geschikt  sind,  ein  sehr  helles  Licht
über  das  Erzeugungsgeschäfte  organisirter  Geschöpfe
zu  verbreiten,  so  erinnere  ich  alle  philosophische  Naturforscher, ¬
  dergleichen  Befruchtungen  bei  dem  Bingelkraute, ¬
  als  einer  so  gemeinen  Pflanze,  zu  versuchen,  zumal  da
sie  mit  dem  Palmbaume  einige  Aehnlichkeit  hat.  Ich
wünschte  dabei,  wenn  es  mir  erlaubt  ist,  meine  Meinung ¬
  zu  sagen,  daß  man  doch  zuförderst  sein  Augenmerk ¬
  auf  den  Staub  der  Bingelkrautblumen  richten
möchte,  um  genau  zu  erfahren,  welches  doch  das  wahre
wirkende  Prinzipium  dieses  Staubes  sein  möchte.
Ich  sagte  dieses  schon  im  §.  XV.  dieser  Blumenstaub
soll  aus  einer  Menge  Bläsgen,  oder  in  einer  subtilen
Feuchtigkeit  bestehn,  worinne  kleine  Kügelgen  herumschwämmen: ¬
  diese  Beobachtung  hat  verschiedne  Meinungen ¬
  veranlast;  einige  haben  geglaubt,  die  Kügelgen ¬
  wären  das  wirkende  Prinzipium  der  Befruchtung:
andre  haben  die  Feuchtigkeit  davor  gehalten;  und
noch  andre  haben  einen  höchst  flüchtigen  Dunst  angenommen, ¬
  der  eine  Art  Lebenégeist  sein  solte,  und  von
dieser  Feuchtigkeit  ausdünste,  die  von  gedachtem  geistigen ¬

            
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