Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

410  III.  Abhandlung.  Viertes  Kapitel.
Ich  habe  gesagt,  daß  die  Körner,  die  nicht  durch  den
Staub  männlicher  Blumen  befruchtet  wurden,  statt  zu
wachsen,  dürre  wurden  und  abfielen;  daß  einige  sich
zwar  vergrößerten,  aber  doch  nicht  aufkeimten
§.  XXXIII.  Nun  kam  viel  drauf  an  zu  wissen,  ob
diese  unfruchtbaren  Körner  ihre  Pflänzgen  und  Saamenblätter ¬
  in  sich  hielten:  verschiedne  Untersuchungen
der  nach  dem  Verwelken  der  Pistille  abgefallnen  Körner
belehrten  mich,  daß  sie  nur  mit  einer  schleimigten  Substanz ¬
  erfült  waren;  aber  von  einem  Pflänzgen  und
Saamenblättern  ließ  sich  nichts  entdekken:  dieß  fand
man  auch  eben  so  in  den  befruchteten  Körnern  beschaffen, =
  wenn  man  sie  unter  den  nämlichen  Umständen  untersuchte: =
  nämlich  kurz  darauf,  wenn  die  Blumen  mit
Pistillen  abgefallen  waren:  es  verflossen  verschiedne
Tage,  ehe  das  Pflänzgen  mit  seinen  Saamenblättern
(lobes)  sichtbar  wurde;  allein  das  trift  man  eben  so
gut  in  andern  Pflanzen,  wie  bei  dem  Bingelkraute,  an.
Auf  diese  Weise  aber  war  es  mit  den  Pflanzen,  welche
groß  genug  wurden,  ehe  die  Körner  abstelen,  nicht  beschaffen: =
  sie  wurden  mit  einer  weissen,  fast  flüßigen
Substanz  erfült,  die  nach  und  nach  dikker  wurde,  und
wo  man  innerhalb  derselben  ein  Körpergen  wahrnahm,
das  dem  Finger  beim  Berühren  auswich,  aber  nach
und  nach  mehr  widerstand,  und  das  Ansehn  von  einem
Pflänzgen  und  zwei  Saamenblättergen  zeigte;  diese  beiden ¬
  Körpergen  offenbarten  sich  immer  deutlicher,  und
wurden  um  soviel  mehr  kentlicher,  als  das  Körngen
älter  wurde.  Das  Pflänzgen  glich  einem  Kegel,  dessen
Grundfläche  breit  zulief,  wie  zwei  glatte  und  runde
Körper:  diese  Körper  waren  eben  die  gedachten  Saamen= =

            
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