406 III. Abhandlung. Viertes Kapitel.
§. XXXIII.
Endlich habe ich mich in gleicher Absicht auch mit
der Pflanze des Bingelkrauts (Mercurialis annua) beschäftigt, ¬
welche zweierlei besondre Blumen, männliche
und weibliche bringt: am 22 August pflanzte ich fünf
zarte Stökke von diesen Pflanzen in fünf besondre Gefäße, ¬
und durch eben die, beim Spinat während des
Winters §. XXXII. angewendete Sorgfalt, erhielt
ich im Anfange des Frühlings meine fünf Pflanzen,
die gut fortgekommen waren, und wo man schon die
männlichen Pflanzen von den weiblichen unterscheiden
konte: es waren nur drei weibliche Pflanzen vorhanden, ¬
die ich auch aufzog: den vier und zwanzigsten
März, bemerkte ich, wie bei den Stielen der Blätter
vieler Zweige weibliche Blumen zum Vorschein kamen,
die sich in wenig Tagen gar sehr vermehrten: sie hatten ¬
nur ganz kurze Stiele, und waren von zwei kleinen, ¬
Hoden ähnlichen Früchten zusammen gesezt, die
äußerlich ein grünes und wie mit Stacheln beseztes
Ansehn hatten. Ich fand hier gerade das Gegentheil
von dem, was ich bei dem Hanfe beobachtet hatte;
die weiblichen Blumen fielen ab, ohne Saamenknospen ¬
zu zeigen, bis auf einige wenige ausgenommen,
deren ihre Körner etwas wuchsen, die aber noch, ehe
sie reif wurden, absielen, und wenn man sie säete,
nicht fort kamen: dies gieng alles vor, während der
Zeit die männlichen Blumen des Bingelkrauts weder ¬
im Felde noch Garten zu Pavia geblühet hatten.
Ich kam also auf die Meinung, daß diese Pflanze
von der Sorte wäre, die nöthig hätte, von dem Blumen= ¬