Full text : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

Ueber  die  Erzeugung  verschiedner  Pflanzen.  401
Mittel  die  Luft  sehr  gut  gereinigt  wird.  Ja  wenn  man
sogar  annähme,  daß  noch  etwas  davon  in  der  Luft
schweben  solte,  so  muste  der  Blumenstaub  doch  seine
befruchtende  Kraft  verliehren.  Nach  dieser  Idee,  die
mir  so  wahrscheinlich  vorkam,  und  die  es  noch  mehr
im  folgenden  Kapitel  sein  wird,  bemühete  ich  mich  um
einige  weibliche  Hanfstökke,  welche  vor  dem  Hanfe
auf  dem  Akker  blühen  könten.  Ich  säete  daher  zu  Pavia ¬
  mitten  im  November  zwölf  Hanfkörner  in  eben  so
viel  Gefäße;  diese  Körner  waren  von  denjenigen,  die
in  den  Bouteillen  gewachsen  waren,  §.  XXVIII.  Obgleich =
  die  Witterung  gar  nicht  mehr  gut  war,  so  keimten ¬
  dennoch  eilf  Körner,  und  wuchsen  almählig  den
Winter  hindurch,  in  einem  warmen  Zimmer.  Im
Frühling  hielt  ich  dieselben  am  offnen  Fenster.  Sie
giengen  in  ihrem  Wachsthume  immer  fort,  und  gegen
den  zwanzigsten  Mai  konte  man  schon  die  einzelnen
männlichen  Pflänzgen  von  den  weiblichen  unterscheiden.
Die  ersten  riß  ich  aus,  und  behielt  nur  vier  Stük
weibliche,  die  ich  immer  der  Sonne  und  der  freien
Luft  auf  dem  Fenster  ausgesezt  stehen  lies.  Ich  gab
Acht,  ob  sich  männliche  Blumen  unter  den  weiblichen
fänden,  und  schnitt  alle  Zweige  ab,  bis  auf  zwei,  wie
ich  es  auch  mit  denjenigen,  die  ich  in  einem  Zimmer
aufbewahrte  §.  XXVII.  gemacht  hatte.  Glüklicher
Weise  entdekte  ich  keine  männliche  Blume:  in  den  leztern ¬
  Tagen  des  Maimonaths  kamen  die  weiblichen  Blumen =
  zum  Vorschein;  anderthalb  Monath  früher,  als
die  Blüthe  des  Hanfes  auf  den  Feldern  von  Ortreppo,
denn  in  der  Gegend  Pavia  wird  gar  kein  Hanf  erzeugt:
es  gieng  also  gar  keine  Zerstreuung  des  Blumenstaubes
vor
Cc  a
            
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