Ueber die Erzeugung verschiedner Pflanzen. 395
§. XXVI.
Bei dieser Gelegenheit, da ich meine Versuche über
die Erzeugung der Pflanzen erzähle, will ich auch die
Art, wie ich den Staub von den männlichen Blumen
entferne, und hindre, daß er nicht auf die weiblichen
dieser Pflanzenart wirken könne, anzeigen.
Im Maimonath nahm ich sechs sehr junge Hanfpflanzen, ¬
und diese sezte ich in sechs besondre Gefäße:
so groß waren sie jezt schon, daß ich die männlichen
Pflanzen von den weiblichen unterscheiden konte: die
vier darunter befindlichen männlichen riß ich aus, und
lies blos die zwei weiblichen stehen. Zwanzig Tage,
ehe sie zu blühen anfiengen, sezte ich sie in eine gegen
Mittag gelegene Kammer, die zwei Glasfenster hatte,
die ich aber nie eröffnete, wie ich denn auch die
Thüre stets zuhielt, außer wenn ich sie bei dem Begießen ¬
öffnen muste: aber ohnerachtet dieses Verschließens ¬
wuchsen meine Pflanzen vortreflich gut; sie wurden ¬
auch viele Stunden an die durch die Glasfenster
scheinende Sonne gesezt. Ob nun gleich mein Versuch
vor demjenigen, den der französische ungenante Naturforscher ¬
gemacht, und seine Pflanze auch auf das Fenster ¬
gesezt hatte, in Rüksicht auf die Genauigkeit, den
Vorzug hatte, so war ich doch noch nicht damit zufrieden. =
Es ist zwar wohl wahr, daß der Staub, welcher ¬
während der Blüthzeit des Hanfes in der Luft
hatte verbreitet sein können, doch nicht eben so leicht
in die verschloßne Kammer hatte dringen können: dennoch ¬
aber wäre dieses nicht etwas ganz Unmögliches,
und ich wolte durchaus allen Zweifel heben.
Um