392 ill. Abhandlung. Viertes Kapitel.
bracht worden sein; und um desto leichter war mir
dieses glaublich, weil ich gar wohl wuste, daß dieser
Staub sehr häufig auf den Pflanzen zu finden sei, so,
daß man, bei dem Schütteln einer männlichen Pflanze,
wenn ihre Blumen völlig aufgeblühet sind, ihn wie
Rauch oder eine Wolke in die Höhe steigen sieht.
Der männliche Hopfen (Humulus lupulus mas Linn.)
gewährt noch eine größere Menge Staub, und giebt
den Vertheidigern des Pflanzengeschlechtes eine gute
Gelegenheit, die Befruchtung der weiblichen Pflanze
des Hopfen zu erklären, wenn man diese Pflanze an
solchen Orten entdekt, wo keine männliche von dieser
Art anzutreffen ist.
5. XXIV.
Das andre Phänomen, welches mich befremdete,
war folgendes: die Bauern in der Gegend von Reggio ¬
und Modena reissen alle männliche Pflanzen den
zweiten oder dritten August aus ihren Hanfäkkern aus,
und lassen bloß die weiblichen Pflanzen bis zu Ende des
Septembers stehen. Ist die Witterung, nachdem die
männlichen Pflanzen ausgerissen sind, zum Wachsthume
günstig, so wachsen die weiblichen Pflanzen immer größer,
und treiben viele neue Schößlinge, die man vorher gar
nicht gesehen hatte: diese Schößlinge bringen auch kleine
Knospen hervor, die zum Blühen kommen, und hierauf =
noch Körner bringen. Dieses bemerkte ich auf
verschiednen einzelnen weiblichen Pflanzen 1767. am
8ten September, nämlich sieben und dreisig Tage nachdem ¬
die männlichen Pflanzen waren ausgerissen worden, ¬
wie mich hiervon eine glaubwürdige Person versicher¬ ¬