380 I. Abhandlung. Drites Kapitel.
Kräuterkundigen Meinung dasjenige sein soll, was unmittelbaren ¬
Einfluß auf die Erzeugung hat. Dem sei
nun aber wie ihm wolle, so entfernte ich nicht allein
den Staub, nachdem ich die Antheren dieser Blumen,
die izt eben der Gegenstand meines Versuches waren,
abgeschnitten hatte, sondern ich hielt sie auch von andern ¬
Blumen auf dieser nämlichen Pflanze entfernt,
und vergewisserte mich noch dadurch auf die allervollkommenste ¬
Weise, indem ich alle Blumen von meiner
im Topfe erzogenen Pflanze abnahm, wie sie nach und
nach hervorkamen. Der Blumentopf stand mit seiner
Pflanze auf einem Fenster, wo man keine solchen Blumen ¬
stehen hatte.
Ich kan die Wirkungen dieses Verfahrens nicht
ohne Verwundrung anführen; die kleinen Körner zeigten ¬
einige Tage nach dem Abfallen der Blumen eine
Höhle, worinne ich die beiden Saamenblätter (lobes)
mit ihrem Pflänzgen antraf, und diese kleinen Körpergen ¬
fülten, indem sie zunahmen, sodann die ganze
Höhle der Körngen aus. Mit einem Worte, sie erlitten ¬
die nämlichen Veränderungen, wie die Körngen,
welche den Einfluß des Blumenstaubes erfahren hatten,
und man würde nicht geglaubt haben, daßihnen derselbe
wäre entzogen worden.
XVIII.
Mit diesem Resultate konte ich mich noch nicht beruhigen; ¬
ich glaubte, bei einem so delikaten Versuche
immer noch nicht alle nöthige Vorsicht angewandt zu
haben. Die Naturlehrer glauben gemeiniglich, der
Staub