Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

312  II.  Abhandlung.  Fünftes  Kapitel.
selbigen  etwas  mehr,  als  ein  bloßes  Reizungsvermögen, ¬
  voraussetzen.  Scheint  es  Ihnen,  daß  ich  mich
in  diesem  Schlusse  betrogen  hätte?  und  sind  Sie  geneigt
zu  glauben,  daß  eine  bloße  Reizungskraft  alles  vermag? ¬
  ich  könte  es  eben  nicht  glauben.  Allein  es  ist
wohl  möglich,  daß  man  dennoch  eine  Hypothese,  die
meine  an  Wahrscheinlichkeit  überträfe,  ausgedacht
hätte:  und  diese  will  ich  auch  sodann  ohne  Verzug  selbst
annehmen.
XXI.  Sie  haben  mit  dem  Saamen  ihrer  Amphibien ¬
  alles  unternommen,  was  nur  möglich  war,  dessen ¬
  wahre  Natur  ganz  zu  entdekken.  Er  ist  weder
klebrigt,  noch  entzündbar,  noch  sauer,  noch  laugenhaft: ¬
  und  wie  groß  ist  dennoch  nicht  seine  wundervolle
Kraft!  er  verraucht  wie  Wasser:  und  es  ist  sehr  merkwürdig, ¬
  daß  sein  flüchtiger  Theil  gerade  der  ist,  welcher ¬
  keine  Befruchtung  hervorbringen  kan.  Dieser
ist  wahrscheinlicher  Weise  blos  eine  Lymphe,  oder  vielmehr ¬
  eine  Serosität,  die  bestimt  ist,  der  allzugroßen
Verdikkung  des  befruchtenden  Theils  vorzubeugen.
Es  würde  artig  und  sehr  interessant  sein,  diese  Untersuchungen ¬
  auch  auf  den  Saamen  großer  Thiere  auszudehnen. ¬
  Es  würde  nicht  weniger  befriedigend  sein,
wenn  man  wüste,  ob  der  Saame  großer  Thiere,  mit
einer  großen  Menge  Wasser  oder  andrer  Feuchtigkeit
vermischt,  auch  ebenfals  seine  Kraft  behalten  würde.
Die  glükliche  Unternehmung,  die  Sie  mit  Ihrem  Hunde
gemacht  haben,  zeigt  den  Weg  an,  den  man  gehen
müste,  um  zu  solchen  Versuchen  zu  gelangen.  Der  Saame ¬
  war  in  einem  geheimen  Verhältnisse  für  die  Natur  der
Kraft
            
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