Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

282  II.  Abhandlung.  Fünftes  Kapitel.
ten  werden  ungeduldig  und  wollen  zurük  treten.  Ich
bin  gezwungen  worden,  einen  kurzen  Brief  deshalben
drukken  zu  lassen,  worin  ich  meine  wider  Vermuthen  vorgefallene ¬
  Hindernisse  anzeige,  und  sie  von  dem  baldigen
Erfolge  der  fortgesezten  Lieferung  versichere.
Ihre  Resultate  über  das  Blut  haben  mich  unendlich ¬
  interessirt.  Sie  sind  der  erste,  der  eine  so  wichtige ¬
  Wahrheit  entdekt  hat:  daß  nämlich  die  Kraft  des
Herzens  so  groß  sei,  daß  sich  die  davon  entstehende
Wirkung  bis  zum  Anfang  der  Blutadern  erstrekte.  Eine ¬
  andre  nicht  weniger  wichtige  Entdekkung  ist  diese,
daß  der  Lauf  des  Blutes  in  den  äußersten  Enden  der
Arterien  nicht  langsamer  geschehe,  wie  die  Physiologen
bisher  glaubten.  Sie  haben  sich  auch  in  Ansehung
der  Kräfte  des  Kreislaufs  betrogen.  Sie  theilten  demHerzen ¬
  Hülfskräfte  mit,  und  Sie  haben  erwiesen,  daß
es  nur  blos  des  Herzens  alleinige  forttreibende  Kraft
sei,  die  den  Umlauf  der  Säfte  bewirkt.  Sie  haben
auch  durch  Ihre  sinnreiche  Erfindung  gezeigt,  daß  die
Verändrungen  der  Farben  des  Blutes,  aus  dem  Gelben ¬
  in's  Röthliche,  und  hernach  in's  Rothe,  lauter
optische  Täuschungen  seien.  Haller  bezweifelte  es;  allein ¬
  Ihr  Verfahren  scheint  mir  ganz  untrüglich.  Die
Haut,  welche  das  Eidotter  umgiebt,  ist,  wenn  man
sie  durchs  Mikroskop  betrachtet,  in  den  ersten  Tagen
des  Brütens  voller  rother  Gefäße.  Ueberal  verdrängen ¬
  Sie  Irrthum,  und  führen  statt  dessen  Wahrheit ¬
  ein.
Zwei¬
            
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