Full text : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

224  II.  Abhandlung.  Fünftes  Kapitel.
veranlast  würden.  Sie  stützen  sich  auf  die  Beobachtung ¬
  gewisser  Zergliederer,  welche  die  Mutterscheide
einiger  schwangern  Frauen  sehr  zusammengezogen,  oder
völlig  verschlossen  gefunden  haben;  sie  berufen  sich  auf
andere  Beobachtungen,  welche  es  wahrscheinlich  machen, ¬
  daß  der  Saamen  nicht  in  die  Gebärmutter  eindringe. ¬
  Sie  betrachten  die  Oeffnung  der  Röhren
(tube  de  Fallupe),  die  zum  Eierstok  führen,  welche  sie  so
enge  gefunden,  daß  ein  sehr  feines  Stilet  einzudringenund ¬
  kaum  die  Luft  durchzulassen,  vermögend  war,  woraus ¬
  sie  schließen,  daß  der  männliche  Saamen,  wenn  er
auch  in  die  Erzeugungsorgane  des  andern  Geschlechts  gebracht ¬
  wird,  doch  nicht  bis  zu  den  Eierstökken,  worin
die  Embryonen  sich  eigentlich  befinden,  gelangen  könne;
sondern  daß  sie  nur  durch  den  flüchtigen  Theil  des  Saamens, ¬
  welchen  man  Saamengeist  nennet,  befruchtet
werden  müssen:  endlich  glauben  sie,  daß  die  Befruchtung ¬
  durch  diesen  Dunst,  der  sich  in  die  Eierstökke,  durch
den  Weg  des  Kreislaufs  der  Säfte  oder  durch  die  Oeffnungder ¬
  Gebärmutter  und  ihrer  Röhren,  ziehet,  verursachet ¬
  werden  müsse.
Ohngeachtet  dieser  Gründe  ergreifen  viele  andere
Schriftsteller  dennoch  die  gegenseitige  Meinung,  und
glauben,  die  Befruchtung  werde  vermittelst  des  groben ¬
  Theils  vom  Saamen  bewirket;  sie  vermuthen  demnach, ¬
  daß  die  Oeffnung  der  Mutterscheide  und  ihrer
Canäle  (tube  de  Fallupe),  durch  die  während  der  Begattung ¬
  erzeugte  Wärme,  sich  erweitern,  und  bekräftigen
diese  Vermuthung  durch  den  in  der  Mutter  angetrofnen, ¬
  und  bis  zu  den  Eierstökken  gelangten  Saamen;
und
            
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