Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

302  II.  Abhandlung.  Viertes  Kapitel.
Säfte,  und  leztrer  kan  ohne  Bewegung  des  Herzens
nicht  vor  sich  gehen.  Ich  stelle  mir  demnach  vor,  daß
vor  der  Befruchtung  schon  ein  Prinzipium  des  Lebens
und  der  Bewegung  vorhanden  sein  müsse:  aber  beide
sind  unendlich  fein,  in  Ansehung  der  Zähigkeit  ihrer
Feuchtigkeiten,  wie  dieses  auch  schon  vor  mir  Haller
und  Herr  Bonnet  angenommen  haben.  Hieraus
folgt  nun,  daß  die  Larven  zu  dieser  deutlichen  Entwikkelung, ¬
  zu  diesem  merklichen  Leben  nicht  gelangt  sein  würden, ¬
  wenn  der  Saamen  nicht  so  stark  auf  sie  gewirkt
hätte.  Dieser  ist  es  blos  allein,  welcher,  dem  Ansehen
nach  zwar  ohne  Gestalt,  ohne  Bewegung,  und  ohne
Krafr  ist,  die  Entwikkelung  ihrer  Glieder,  und  ein  merkliches ¬
  Leben,  samt  der  Bewegung  hervorbringt;  aus
diesem  Grunde  habe  ich  mich  in  dieser  Schrift  des  Ausdruks ¬
  bedient:  die  Larven  entwikkeln  sich,  bekommen ¬
  Leben,  oder  werden  belebt,  u.  s.  f.
Aber  damit  der  Saamen  auf  die  Larven  seine  Wirkung ¬
  äußern  kan,  muß  er  in  ihre  kleinen  Körper  eindringen; ¬
  es  scheint,  daß  der  bloße  Eindruk,  der  nur
auf  die  Haut  gemacht  wird,  nicht  zureichend  ist:  allein
kan  denn  unser  Auge  die  Oeffnungen,  durch  welche
die  Saamenfeuchtigkeit  in  den  Körper  der  Larve  gelangt,
entdekken?  Ich  habe  mit  gröster  Sorgfalt  diese  Frage ¬
  gründlich  zu  beantworten  gesucht,  und  die  Beweise
des  Herrn  Bonnet  haben  meinen  Eifer  dazu  noch
mehr  angefeuert.  Ich  legte  also  auf  den  Teller  des
Mikroskops  einige  kleine  Schleimkügelgen  vom  Frosche,
die  ich  sogleich  durch  ein  starkes  Glas  betrachtete;  die
Schleimhülle  erschien  so  durchsichtig,  daß  ich  die  Larven ¬

            
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