198 II. Abhandlung. Viertes Kapitel.
befruchten, ohne dergleichen dennoch dazu anzuwenden,
wenn ich einen Tropfen Saamen, auf den Objektenträger ¬
(Porte object) unter das Mikroskop legte: alles
wimmelt von Thiergen in dieser kleinen Menge Feuchtigkeit: ¬
allein die allmählige Verdunstung, die sich allzeit ¬
von dem Rande anfängt, treibt die Thiergen alle
in den Mittelbunkt, wie es auch bei allen Infusionsthiergen ¬
geschieht: und je mehr die Verdunstung zunimt, ¬
desto merklicher wird ihre Flucht, ob zwar auch
noch viele unterweges an dem vertrokneten Rande umkommen. ¬
Mit einer Nadelspitze, die ich nahe an dem
vertrokneten Rande eintauchte, konte ich verschiedne
Tröpfgen, die völlig ohne Thiergen waren, davon
nehmen. Um mich nun volkommen zu überzeugen,
ließ ich noch erst diese Tropfen auf den Objektenträger
fallen, und wenn ich gar kein Thiergen durch's Mikroskop =
entdekte, bestrich ich mit einem so genau untersuchten ¬
Tröpfgen die Larven; und ich hatte das Vergnügen ¬
zu sehen, daß dieselben nach einigen Tagen belebt ¬
waren. Die lange Uebung und Fertigkeit, die ich
in Untersuchung der Saamenthiergen erlangt haben,
so wohl von Menschen, als von Thieren, giebt mir
die Versicherung, daß ich mich in diesen, allerdings sehr
delicaten Untersuchungen nicht betrogen habe. Dieses
alles aber giebt uns den volständigsten Beweis, daß
das System des Leuvenhoek und seiner Schüler
grundfasch ist.
§. 150.
Viele Naturforscher und Aerzte haben dieses
System angegriffen, unter welchen vorzüglich mein
Lands=