110 I. Abh. Erster Abschnitt. Sechstes Kapitel.
der Mutter zutheilen: die ersten glauben, die Fötus,
oder Früchte, in den kleinen Thiergen des männlichen
Saamens zu finden, der während der Begattung in
das Weibgen gebracht wird. Aber diese Meinung ist
ganz irrig. Ich habe im §. 7. gezeigt, daß im grünen
Wasserfrosche, wenn die eiförmigen Körpergen, oder
die zur Reife gekommenen Fötus, in die Gebärmutter
gelangt sind, auch in den Eierstökken dergleichen, nur
aber kleinere, zurükblieben, und daß leztre zur Vermehrung ¬
im künftigen Jahre dienten: Eben dieses
habe ich auch im 66sten und 85sten Paragraph bei der
stinkenden Erdkröte und im Wasser=Salamander angezeigt: ¬
auch habe ich ebendasselbe in noch andern Amphibien ¬
entdekt, so, daß man wenigstens mit Gewißheit ¬
behaupten kan, daß die Früchte (Foetus) schon
ein Jahr vor der Begattung im Eierstokke vorhanden
sind. So weit ist also die angeführte Meinung, daß
die Früchte (Foetus) während der Begattung aus dem
Männgen in das Weibgen übergehen, von der Wahrheit ¬
entfernt.
Hier muß ich auf eine Frage, die entstehen könte,
antworten.
Nach den Beobachtungen der Naturforscher ist es
bekant, daß verschiedne Arten der Amphibien sich schon
im andern Jahre ihres Lebens fortpflanzen: es ist auch
sehr wahrscheinlich, daß die Fortpflanzung oder Begattung ¬
ziemlich lange Jahre und so lange sie Eier legen,
immer fortdauert. Rösel wenigstens glaubt, daß
sie sich über zehn Jahre und, bei den Fröschen, noch weiter ¬
hinaus erstrekken solle. Es ist höchst wahrscheinlich,
daß