Full text : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

102  I.  Abh.  Erster  Abschnitt.  Sechstes  Kapitel.
Laich  des  Männgens  verschlungen  haben,  aber  sie  fraßen ¬
  ihn  als  eine  Nahrung,  eben  nicht  als  ein  Befruchtungsmittel, ¬
  und  das  ist  um  desto  mehr  daraus  zu
ersehen,  weil  ihn  die  Männgen  selbst  mit  vieler  Begierde ¬
  verschlingen.  Wenn  übrigens  die  Fiche  beiderlei ¬
  Geschlechts  den  Laich  fressen,  so  fressen  sie  auch
eben  so  gern  ihre  eignen  Eier.
§.  106.
Hieraus  folge  nun,  daß  man  noch  nicht  weiß,  wie
die  Befruchtung  der  Fische  geschiehet:  man  darf  sich
aber  darüber  so  sehr  nicht  verwundern,  weil  sich  im
Wasser  nicht  so  gut  und  leicht  Beobachtungen  machen
lassen,  als  in  der  Luft  und  auf  der  Erde.  Wenn  ich
über  dies  Geheimniß  der  Natur  bei  mir  selbst  nachgedacht ¬
  habe,  so  ist  mir  oft  ein  Gedanke  eingefallen,  den
ich  zwar,  meiner  andern  Arbeiten  wegen,  noch  nicht
habe  realisiren  können,  den  aber  doch  meinen  Lesern
bekant  machen  will.  Den  Chinesischen  Goldsisch  *)
kan  man  leicht  in  allen  Gegenden  Europens  bekommen: ¬
  man  findet  ihn  häufig  in  den  Gärten  Italiens:
und  die  Schönheit  seiner  Farben  hat  gemacht,  daß
er  in  Zimmern  in  vollen  Wassergefässen  gehalten
wird.  Diese  Fische  laichen  verschiedene  Male  im  Jahre,
und  da  sie  sehr  zahm  sind,  so  fürchten  sie  sich  auch  zu
dieser  Zeit  nicht  vor  dem  Beobachter.  Ich  hoffe,  man
wird  meine  Meinung  und  Absicht  schon  verstanden  haben: ¬

*)  Cyprinus  auratus  penna  ani  gemina  cauda  transversa  bifurca;
Linn.  Syst.  Nat.  T.  1.
            
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