Volltext : Spallanzani, Lazzaro: Versuche über die Erzeugung der Thiere und Pflanzen

100  I.  Abh.  Erster  Abschnitt.  Sechstes  Kapitel.
wichtigen,  zur  Aufklärung  der  Geschichte  dieses  so  bewundernswürdigen ¬
  und  noch  immer  nicht  genug  bekanten ¬
  Thieres  aus  Surinam  dienenden  Fragen.
Man  kan  sich  leicht  vorstellen,  daß  Bonnet  nicht
unterlassen  haben  wird,  auch  über  die  Befruchtung
der  Pipa  Fragen  aufzuwerfen;  allein  diese  können
nicht  anders,  als  im  Vaterlande  dieses  Thieres  entschieden ¬
  werden.  Man  hat  es  noch  nicht  dahin  bringen ¬
  können,  daß  diese  Kröte  sich  es  in  Europa,  wie
in  ihrem  Vaterlande  zu  leben  gefallen  ließe,  wie  etwa
Vallisnie  ri  aus  dem  afrikanischen  Chamäleon  ein
in  Italien  einheimisches  Thier  gemacht  hat.
§.  105.
Die  Befruchtung  geschieht  nicht  nur  bei  Kröten
und  Fröschen  außer  ihrem  Körper,  sondern  man  glaubt,
daß  sie  auch  auf  gleiche  Weise  bei  Fischen  geschiehet.
Wenn  das  Weibgen  gelaicht  hat,  und  das  Männgen
auf  dem  Zuge  nachfolgt,  befruchtet  es  die  Eier  mit
seinem  Saamen.  Bei  diesen  Thieren  findet  man  keine
Begattung:  und  wenn  ja  die  Männgen  zur  Zeit  der
Vermehrung  sich  den  Weibgen  nähern,  wenn  sie  sich
mit  einander  an  ihrem  Bauche  zu  reiben  scheinen,  so
ist  dieses  doch  keine  Begattung  zu  nennen,  sondern
das  Männgen  verbreitet  nur  seinen  Saamen  über  die
Eier,  die  das  Weibgen  zu  der  Zeit  aus  sich  herausgehen ¬
  läßt.  Dieses  ist  die  Meinung  des  Grafen  von
Büffon;  allein  da  er  dieses  in  einem  so  entscheidenden ¬
  Tone  sagt,  so  solte  man  glauben,  er  gäbe  hiervon ¬
  zugleich  die  stärksten  Beweise.  Er  gründet  sich
indessen  blos  auf  die  gemeine  Sage,  die  bis  auf  die
Zei¬
            
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